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Niemand soll dich haben – Krimi

Claudio Michele Mancini/Sanna Felden: Ein Koffer mit einer zerstückelten Leiche, das ist der Auftakt zu einem grandiosen Verwirrspiel, in dem die Kommissare Glatzinski und Levandowski ihre Mühe haben, den Täter zu ermitteln. Erst Polizeipsychologe Dumont kann dem Fall die entscheidende Wendung geben. Augenscheinlich geht es bei dieser Tat um schwerwiegende Liebesverwicklungen, die am Ende den wahren Mörder offenbaren.

GLEICHER TATHERGANG NUR NICHT IN BERLIN SONDERN DIESMAL IM RUHRPOTT…. das ist das Setting zu Claudio Michele Mancinis und Sanna Feldens Regio-Krimi “Niemand soll dich haben”. Hier eine kleine Kostprobe… Schleuse Lirich

»Jupp, komm ma her!«
»Jau.., watt is?«
»Kuck ma da unten, in Kammer II, watt schwimmt’n da?«
Josef Machajewski blickte durch die Panoramaverglasung der Kanzel hinunter in die zweihundertfünfzig Meter lange Schleusenkammer. Seine Augen streiften über die Oberfläche des braunen Brackwassers. »Ich seh’ nix.«
»Ganz hinten…! Da schwimmt doch watt.« Alfred Aschoff deutete in die Richtung des Schleusentors. »Komischet Ding«, murmelte er kopfschüttelnd. »Taucht auf und geht wieder unter.«
»Gib ma her…!«
Jupp nahm dem Kollegen das Fernglas aus der Hand und suchte an der angegebenen Stelle die Wasseroberfläche ab. »Jau, gezz seh’ ich et au. Sieht aus wie’n flachn Behälter oder sowatt.« Er setzte den Feldstecher ab, wandte sich wortlos um, zog seine orangefarbene Dienstjacke von der Stuhllehne und schlüpfte umständlich hinein. Es war kurz vor 18°° Uhr und bald Schichtwechsel. »Ich geh ma runter und hol’ datt raus. Bin gleich widder da.«

Alfred nickte und beugte sich über die Regler des computergesteuerten Leitstandes. Das Meer grüner und roter Signaldioden tauchte sein Gesicht in ein geheimnisvolles Licht.
»Lass aber die Kammer dicht, bis ich datt Dingen raus hab’«, raunzte Machajewski und wandte sich dem Ausgang zu.
»Nimm dä Funk mit und sach Bescheid, wenne fettich bis. Dä Rotterdamer wartet seit ner halben Stunde. Datt is dann dä Letzte für heut‘«, rief Alfred seinem Kollegen nach. Doch Jupp hatte die Tür hinter sich zugeworfen und stapfte bereits auf der Trennmauer der beiden mächtigen Kammern in Richtung Schleusentor. Er hatte eine lange Hakenstange in der rechten Hand, die für solche Fälle an der Rückseite der Eisentreppe hing.

Machajewski, ein grobknochiger Kerl von etwa Mitte vierzig, mit Händen wie Kohlenschaufeln, einer dem man ansah, dass harte Jahre hinter ihm lagen, stiefelte schwerfällig auf der Kammer entlang in Richtung Schleusentor. Sein schütteres Haar, das ihm wirr ins Gesicht fiel, der blasse, großporige Teint und sein gebeugter Gang ließen ihn müde und abgespannt erscheinen. Doch der Schein trog, auch wenn in seiner Miene melancholische Erschöpfung abzulesen war.

Dennoch, Jupp war im Innersten zufrieden. Ja, er selbst, – würde man ihn gefragt haben -, hätte sich als glücklich bezeichnet. Bis vor fünf Jahren war er “auf Zeche” eingefahren und als sie mangels Ergiebigkeit geschlossen wurde, bekam er durch Fürsprache von Alfreds Schwager Michael, der eine einflussreiche Position im Duisburger Rathaus hatte, diesen Job angeboten.
Es war eine ruhige Arbeit, die von den Zyklen der sich öffnenden und schließenden Schleusentore bestimmt wurden. Sie war genauso ruhig, wie der Rhein-Herne-Kanal, der tagein tagaus träge und trüb dahinfloss. Eine Arbeit ohne Hektik und ohne Aufregungen, mit zufriedenstellender Bezahlung und Ortszuschlag Gruppe “S”.

Machajewski hatte die Stelle erreicht, an der Alfred den Gegenstand gesichtet hatte. Das schwappende Etwas entpuppte sich bei näherer Betrachtung als ein Koffer. Und so, wie es aussah, ein ziemlich großer. Doch gleichgültig, ob groß oder klein, alt oder neu, solche Sachen hatten in der Schleusenkammer nichts zu suchen und mussten geborgen werden. Vorschrift!
»Was die Leute allet so innet Wasser werfen«, grummelte er und schaltete sein Funkgerät ein. »Jupp an Brücke, kommen! Hör‘ße mich Alfred?«
»Jau.., watt is gezz?«
»Datt Dingen is’n Koffer. Sieht ziemlich neu aus, wenn’ze mich frachst! Lang liecht der noch nich da drin. Ich hol’ den ma‘ raus.«
»Okay. Beeil’ dich, der Rotterdamer hat mich schon zweimal angefunkt. Der will endlich weiter.«
Alfred beobachtete mit dem Fernglas von der Brücke, wie Jupp nach dem Koffer fischte, der im Abstand von knapp einem Meter von der Kammerwand entfernt auf dem Wasser schaukelte. Er schien mit der Angelei seine liebe Mühe zu haben. Nach einigem Stochern bekam er das Ding an den Haken und zog ihn unter Aufbietung aller Kräfte nach oben. Gerade als er das Ungetüm über den Rand der Mauer hieven wollte, rutschte es ihm aus der Hand. Klatschend stürzte das Gepäckstück wieder auf die Wasseroberfläche und tauchte für einen Moment unter.
»Watt machste für’n verdammten Scheiß!«, knatterte es blechern aus dem Lautsprecher des Leitstandes. Jupp fluchte wie ein Rohrspatz, während Alfred mit leisem Grinsen um die Lippen beobachtete, wie sein Kollege bäuchlings auf der Staumauer liegend versuchte, das Treibgut wieder an den Haken zu bekommen.
»Mach hinne«, rief Alfred ungeduldig ins Mikro. »Stell‘ dich nicht so an«.
»Der ist sauschwer«, presste Jupp angestrengt ins Mikro seines Funkgerätes. »Ich hab’ Angst, dass dä Griff abreißen tut.«
»Hol‘ datt Dingen raus! So schwer kannet nich sein!«
»Halt‘ die Klappe!«, blaffte Jupp zurück und machte sich lang.
Jetzt hatte er das graue Ungetüm am Griff erwischt, fasste mit der zweiten Hand nach, wuchtete den Koffer mit einem Ruck über die Kante und zog ihn auf den Betonabsatz.
»Hab ihn«, keuchte er. »Sauschwer, ich sachet dir! Wieso datt geschwommen is, versteh ich nich. Datt müssen Backsteine oder Goldbarren sein.«
»Mach ihn auf, dann siehße watt drin is«, meinte Alfred mürrisch.

Aschoff versah seinen Dienst nun schon über 25 Jahre im Wasser- und Schifffahrtsamt, und er hatte in seinem Leben schon viele angeschwemmte Koffer und Taschen aus dem Kanal gezogen. Er war, was den Inhalt anbetraf, weniger optimistisch, als sein Kollege. Meist hatte er Leichen darin gefunden, sorgsam verpackt und gebündelt, manchmal auch fein säuberlich tranchiert und portionsweise in Müllsäcke gewickelt. An seine Letzte konnte er sich noch lebhaft erinnern. Jemand hatte eine kleine Frau mit Gewalt in einen großen Reiserucksack gepfercht.
Der grüngelbe Tornister der Marke “ENORM”, mit Beckenstützstrebe und modernem Klettverschluss, hatte eine ziemlich gute Qualität, das hatte Alfred sofort bemerkt. Er hätte das Ding wirklich gut gebrauchen können, zumal sein Urlaub in Bayerisch Eisenstein kurz bevorstand. Und da die Leiche in eine Plastikfolie gehüllt und nicht mit dem Stoff des Rucksackes in direkte Berührung gekommen war, konnte man diesen durchaus als neuwertig ansehen. Alfred war in diesen Dingen nicht sonderlich empfindlich, schließlich war auch Omma in ihrem Häuschen gestorben und nun wohnte er drin.
Kurz entschlossen hatte er den in PVC eingewickelten Leichnam, der mit mehreren Einmachgummis zusammengeschnürt war, aus dem engen Gefängnis befreit und neben das Schleusentor gelegt. Den Rucksack hatte er anschließend im Waschraum mit Handwaschpaste und heißem Wasser gereinigt und in seinem Spind verstaut. Eigentlich wollte er das gut erhaltene Stück nach Dienstschluss mitnehmen, doch die Kripo beschlagnahmte das corpus delicti.

Er redete nicht gerne über diesen Vorfall und das peinliche Verhör, das er seinerzeit über sich hatte ergehen lassen müssen. Er erinnerte sich noch gut an den leitenden Kommissar, der seinerzeit beinahe einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte, weil er, Alfred, in der festen Überzeugung, niemand würde jemals Anspruch an dem Rucksack anmelden, diesen an sich genommen und von allem Übel gereinigt hatte. Man warf ihm Unterschlagung, Zerstörung von Beweismitteln und versuchten Diebstahl vor. Alfred war am Ende durch die Fürsprache seines Vorgesetzten noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Jedenfalls verspürte er seither keine Lust mehr, irgendwelche Gegenstände aus der Schleuse zu ziehen.

Alles in allem liebte Alfred seine Arbeit, die er ohne übertriebene Eile verrichtete und jene außergewöhnlichen Vorkommnisse verglich er mit dem gelegentlichen Wellenschlag, den die schweren Pötte beim Durchpflügen des Kanals verursachten und sanft an die Böschungen des Ufers schwappten.
»Ach du liebe Scheiße….«, schepperte es plötzlich durch den Sprechfunk. »Datt darf nich wahr sein…!« Jupps Stimme hatte einen hysterischen klang angenommen und erstarb abrupt.
»Watt is’n los, Jupp?«
»Datt glaubße nich Alfred, watt da im Koffer is«, brüllte der Schleuser mit sich überschlagender Stimme. Alfred drehte den Lautsprecherpegel um zwei Stufen herunter.
»Sach schon«, fragte er, aber ahnte, was auf ihn zukommen würde, denn Jupps Stimme hatte einen panischen Klang angenommen.
»Da is `ne Leiche drin.« Und nach einer Sekunde Pause fügte er völlig außer sich hinzu: »Ne Halbe!«
»Ober- oder Unterteil?«, erwiderte Aschoff mit einem Anflug von Sarkasmus, als habe er vorausgesehen, dass es heute richtigen Ärger geben würde.
»Bisse noch ganz richtig im Kopf…? Mensch Alfred, ich mach keine Witze! Et is wirklich ne Leiche!«
»Ich glaubet dir, Jupp! Sach gezz, isset ‘n Mann oder ne Frau?«
»Mensch, du hass vielleich Nerven, meinße ich hab genau nachgeguckt? Ich glaub ich muss kotzen!«

Alfred dachte fieberhaft nach, was nun geschehen müsse. Doch bevor er zu Ende gedacht hatte, krächzte erneut Jupps Stimme im Äther. »Datt stinkt derartig, datt hält keine Sau aus!« Dann hörte er seinen Kollegen würgen und der Sprachfunk brach jäh ab. Gleich darauf meldete sich Jupp Machajewski mit belegter Stimme zurück. »Bin widda auf Sender…! Watt soll ich jetzt machen?«
»Lass allet so liegen wie’et iss und komm her. Ich ruf die Kripo an. Lass die Finger von dem Koffer und rühr nix mehr an. Sonst is die Malaise am dampfen. Bis die Bullen hier sin, müssenwer den Betrieb übber Kammer Eins abwickeln. Ich brauch’ dich hier oben.«
»Du willst doch nich weiter abfertigen?«
»Watt soll’n wa machen? Dä Rotterdamer auf Warteplatz drei macht mir die Hölle heiß.« Alfred stellte die Schärfe seines Fernrohrs nach. Er sah Jupp in der Grasnarbe kniend wie paralysiertes Karnickel auf den aufgeklappten Koffer glotzen. Er setzte das Glas ab, griff zum Telefonhörer und wählte die Nummer der örtlichen Polizeidienststelle.
»Polizei Oberhausen, was kann ich für sie tun?«, meldete sich eine schnarrende Stimme.
»Ja, hier Aschoff! Verbinden Sie mich schnellstens mit der Kripo.«
Die Leitung knackte und der Gefangenenchor von Nabucco erklang. “Wie sinnig”, dachte Alfred und wartete. Nach einigen Sekunden meldete sich eine forsche Stimme.
»Kriminalkommissar Fleischer!«
»Wasser und Schiffartsamt, Staustufe Lirich, Alfred Aschoff hier. Wir haben ‘ne Leiche gefunden.«
»Wo genau?«
»In Kammer II, bei uns inne Schleuse…«, antwortete Alfred. »In einem Koffer«, fügte er hastig hinzu, denn ihm war das kurze Zögern in der Stimme des Kommissars aufgefallen.
»In der Kammer?«
»Jau, inne Kammer«, bestätigte Alfred in der gleichen Knappheit.
»Dann sind wir nicht zuständig. Bis zur Kammer ja, in der Kammer nein. Rufen Sie die Kollegen in Duisburg an, die Leiche schwimmt nicht auf unserem Gebiet. Außerdem haben wir Dienstschluss.«
»Aber bis getz seid immer Ihr gekommen, wenn watt war!«
»Bis vor einem Jahr. Haben Sie’s nicht mitbekommen? Die Gebietsreform…! Die Gemarkungsgrenzen wurden neu geregelt. Rufen Sie die Kripo Duisburg an!«

Ungläubig starrte Aschoff den Hörer an. »Ach so, ‘tschuldigung«, murmelte er konsterniert, obwohl sein Teilnehmer längst aufgelegt hatte. Hastig blätterte er im Duisburger Telefonverzeichnis bis zum Buchstaben „P“. Er fuhr mit dem Zeigefinger die einzelnen Spalten nach unten und las leise mit: »pas.., per…, Pief…., pil.., pozel.., Mist. Steht da nirgends Polizei drin…? Ah…, zu weit…! Seine Augen arbeiteten sich wieder die Spalten nach oben. Pem… Pok…, Pol…, Polizei – aha..! Zwei, Acht, Null, Null!

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Buchinfos

NIEMAND SOLL DICH HABEN von Claudio Michele Mancini/Sanna Felden

Krimi / Preis: 3,99 Euro (220 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (Satzweiss.com-Chichili)-Verlag – ISBN: 9783845010892

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Autoreninfo & Blog

CLAUDIO MICHELE MANCINI

Bilderrahmen, Mancini

Claudio Michele Mancini wurde kurz nach Kriegsende als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters geboren und wuchs in der Provinz Verbania am Lago Maggiore auf. 1964 machte er auf einer Klosterschule sein Abitur, studierte in München Psychologie und arbeitete danach als Dozent und Unternehmensberater in Frankreich, Italien, Deutschland und den USA. Seit 2008 lebt und arbeitet Mancini wieder in der Nähe seines Geburtsortes in Suna/Verbania am Lago Maggiore. Im Jahr 2003 erschien seine Satiren-Sammlung Finsterland im Holder-Verlag, Winnenden. Bekannt wurde er durch sein Romandebüt Infamità, das im Jahre 2006 im Ullstein-Verlag erschien. In diesem Thriller beschreibt er psychologische Konstellationen des italienischen Gegenwartsalltags sowie Machtkämpfe innerhalb der Cosa Nostra zwischen dem Mafia-Paten Cesare Carluccio und dessen Rivalen. In seinem Werk Mala Vita (ersch. Feb 2009), dem umfangreiche Recherchen zugrunde liegen, beschreibt er die mafiösen Geldverschiebungen in karibische Steueroasen des Mafia-Paten Romano Grasso.

SANNA FELDEN

Bilderrahmen, Felden

Weitere Titel

traummann

Traummann an Zitronensößchen – 3,99 Euro

36 Kurzgeschichten, mitten aus dem Leben – humorvoll, zynisch und voller Ironie. Claudio Michele Mancini und seine Frau Sanna Felden haben alle Register gezogen und schildern alltäglich Absurdes aus ihrer Sicht der Dinge und aus der SIcht von Mann und Frau. Wenn Sie selbst auch schon mal gerne über dies und das gelästert und Dinge aufs Korn genommen haben, dann finden sie in all diesen Geschichten pures Lesevergnügen. (Vorsicht Satire!).

Töchter der Triaden – Thriller

Hef Buthe: Der junge Jurist Perkin ist Spross einer angesehenen Anwaltsfamilie in Singapur. Nach dem Unfalltod seines Vaters muss er dessen Kanzlei übernehmen und erfährt, mit welchem Klientel dieser reich wurde … eine mächtige Triade, die asiatische MAFIA. Zu spät für Perkin, um weitere Aufträge der „Ehrenwerten Gesellschaft“ abzulehnen. Diese beharrt darauf, dass Perkin die Zusammenarbeit so fortführt, wie es mit seinem Vater abgemacht war. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden zwei Morde konstruiert, die Perkin als Täter in der Öffentlichkeit darstellen. Perkin hat keine Chance, seine Unschuld zu beweisen. Auf der Fahrt zum Haftrichter wird er von einer anderen Triade entführt, was ihm die lokale Justiz als Flucht und Schuldeingeständnis auslegt… Es beginnt für ihn eine Odyssee in den Fängen zweier rivalisierender Triaden, die beide Perkin brauchen, um die Lizenzen für das Spielerparadies Macau zu bekommen.

LESEPROBE

Schön, dass Sie sie sich für die „Töchter der Triaden“ interessieren. Aber, ich muss Sie warnen. Bevor ich Sie mit meiner Geschichte enttäusche, sage ich Ihnen gleich, was Sie erwartet: Eine für Sie womöglich völlig fremde Welt der Superreichen, Mord, Korruption, Menschenhandel, Glücksspiel, Macht, Gier und … die chinesische Mafia, auch als Triaden bekannt.

Ach, kennen Sie alles aus dem Fernsehen? Ich glaube nicht. Ich bin einer aus dieser Welt. Na ja, wenigstens ein kleiner Mosaikstein im großen Spiel. Ich sage „bin“, weil ich noch lebe. Ist das ein Widerspruch? Für mich nicht. Man verlässt die ehrenwerte Gesellschaft der Triaden nur durch den Tod. Aber ich rede und schreibe darüber. Wie lange noch? Ich habe keine Ahnung. Wenn Sie nächstes Jahr kein Buch mehr von mir kaufen können, wissen Sie, was passiert ist.

Oh, ich bin unhöflich. Darf ich mich vorstellen? Perkin, Elmar. In Asien kommt der Familienname immer zuerst. Ich bin Erbe eines beachtlichen Vermögens meiner Eltern. Mein Vater war Chinese, meine Mutter deutsch-russischer Abstammung. Beide wurden im chinesischen Boxeraufstand 1900 durch meine Großeltern gezeugt, die ihrerseits nicht unterschiedlicher sein konnten. Aber das ist eine Geschichte für sich. Nehmen Sie es einfach so, wie ich es nehmen musste. Meine Eltern ließen mich mehrsprachig aufwachsen und schickten mich auf die besten Universitäten Europas, um Jura und Wirtschaftswissenschaft zu studieren.

Erst nach dem Tod meiner Eltern, der an sich schon ein seltsamer war und nie richtig aufgeklärt wurde, musste ich schnell lernen, womit mein Vater sein Geld gemacht hatte. Er war juristisch-wirtschaftlicher Berater einer Triade, die versucht gegen einen anderen Clan den wirtschaftlichen Bereich der jetzt sogenannten kleinen Tigerstaaten, Hongkong, Singapur, Malaysia und Indonesien zu verteidigen.

Ach ja, bevor ich etwas vergesse, ich habe außer dem Vermögen meines Vaters noch etwas geerbt … das Erbe heißt Lu Hong und ist weiblich. Aber nicht verwandt oder verschwägert mit mir. Sie kann einem ganz schön auf die Nerven gehen.

Was ist? Sie haben mich nicht zurückgelegt? Dann folgen Sie mir bitte in die Hölle. Aber auf eigene Gefahr … und führen Sie sich vor Augen, dass Sie nie mehr sehen, hören, fühlen und schmecken als ich. Sie als Leser, Leserin sind jetzt ich!

<…>

„Perkin, du hast Besuch“, schreckte mich Lu aus meinen Gedanken, die weit draußen über dem in der Abendsonne glitzernden Meer schwebten. „Urlaubsreif“, war die einzige Erkenntnis, die sie daraus zogen. Ja, das war ich wirklich. So konnte das nicht weiter gehen. Lu gab sich als meine rechte Hand jede Mühe die Arbeit zu bewältigen. Es wurde auch ihr zu viel. Das war ihr deutlich anzusehen. Sie wurde immer magerer und ich durch meine berufsbedingten Reisen immer fetter. Ich will heute niemand mehr sehen. Mach du auch Schluss und kümmere dich um zwei zusätzliche Leute, die uns bei der Arbeit helfen können. So kann das nicht weiter gehen.“

Lu zog kurz die Schultern hoch und die Stirn in Falten. „Wenn du das mal endlich einsiehst? Ich habe zwei Studienkolleginnen, die brennend gerne für uns arbeiten würden …“, sie setzte sich auf die Kante meines Schreibtisches und rieb sich den linken Schenkel. „Aber den Mann habe ich schon zweimal abgewiesen. Er kennt dich und du kennst ihn. Ich weiß nicht, ob der sich das noch lange gefallen lässt. Er macht nicht den Eindruck, als verstünde er Spaß.“

„Wenn du deinen Studienkolleginnen vertraust, dann stell sie ein“, überging ich die unterschwellige Drohung mit dem möglichen Mandanten, von dem ich wusste, wer er war. Groß, hager, immer schwarz gekleidet mit einer Narbe im Gesicht, die nicht durch ein ausgerutschtes Rasiermesser kam. Der Monat stimmte, der Tag auch. 13.10. Sie hatten es mir vorausgesagt und hielten sich sklavisch an ihre Drohungen. „Und ja, frage mal bei Helen in Köln nach, wie weit sie mit dem Fall der Donnerflug ist. Kannst du mich nachher im Harry‘s auflesen? Sonst nehme ich ein Taxi.“

Lu schüttelte ihre braune Mähne und verkniff die Lippen. Warum diese bildhübsche Frau, mit der ich fast wie eine Schwester aufgewachsen war, keinen Mann fand? Lag es an ihrer Gehbehinderung, die ihr mein Vater im betrunkenen Zustand in Chinatown mit dem Auto beigebracht hatte? Oder lag es an ihrem verbissenen Willen und ihrer überlegenen Intelligenz allem Männlichen gegenüber? Oder war eines die Konsequenz des anderen? Ich war in zwanzig Jahren nicht dahinter gekommen, oder wollte es auch nicht. Lu war ein Bestandteil meines Lebens. So wie eine Schwester eben zur Familie gehört. Nur, woher sie wirklich kam, das wusste nur mein Vater, und der hatte niemals etwas über ihre Herkunft verlauten lassen. Und so hatte ich als Sohn auch nie gefragt. Lu hatte eine Wohnung im Haus. Aber meist nutzte sie diese nicht und tauchte nur zur Arbeit auf, um abends wieder zu verschwinden.

„Du weißt genau, wer dieser Mann ist. Warum kneifst du schon wieder. Empfange ihn und hör dir an, was er zu sagen hat. Du kannst nicht bei der ehrenwerten Gesellschaft der Grünen Drachen aussteigen, wie es dir passt. Dein Vermögen beruht schließlich darauf, dass deine Familie zu ihnen gehört.“
Ich reagierte nicht und sah in den Hafen hinunter.
Sie winkte wütend ab und hinkte aus dem Zimmer. „Dickschädel, verfluchter! Du bist wie dein Vater. Nein, will ich nicht, mache ich nicht, passt mir nicht. Es ist jetzt Zeit für den Club und basta. Bäh, sage ich jetzt auch einmal. Geh in deine beschissene Bar, in der sich genau solche Pfauen wie du Abend für Abend treffen, um sich noch größer zu machen, als sie jemals werden können. Sieh zu, wie du nach Hause kommst. Ich habe noch etwas vor. Und denk dran, du hast um 20.00 Uhr Gäste. Wenn du zu spät kommst, erschlägt dich Ti Wu mit der dicksten Pfanne, die sie findet … und Helen wird ihr dabei noch Beifall klatschen, wie ich sie kenne.“

Das saß und verletzte, obwohl sie mal wieder nicht ganz unrecht hatte. Aber ich musste aus diesem Kreislauf von Pflicht gegenüber einer Triade, nach dem Recht eine ungesetzmäßige Interessengruppe, herauskommen. Mit Lu und Helen in Köln hatte ich mir eine weniger gefährliche Klientel aufgebaut, dessen Interessen ich als Einheimischer mit gutem Namen vertrat. Das war nicht ganz so einträglich, reichte aber um meinen Standard zu halten. Aber die Taipane der Triaden, diese Giftnattern, vergaßen nicht. Sie ließen mich nur in Ruhe, wenn ich so devot wie mein Vater wurde. Und genau das war ich nicht.

„Also nicht!“, knurrte ich. „Dann rufe ich eben ein Taxi. Weiber, blöde. Und warum sagst du mir nicht, dass Helen hier ist?“
„Weil du ein Arschloch bist – darum!“, kam es zurück.
Na gut, dann war ich eben eins. Wir waren beide gereizt und urlaubsreif. Die letzen Monate hatten uns mit Aufträgen und Terminen überhäuft, die mich wirklich zu einer Umorganisation meines Büros zwangen. Außerdem hatte sich die Finanzbehörde auf mich eingeschossen. Das Vermögen meines Vaters war von ihm zu niedrig angegeben worden und der Staat hatte sich eine rechnerische Nachforderung von nahezu 10 Millionen Dollar ausgedacht. Zahlbar übermorgen.

Wenn Helen ohne Vorwarnung von Köln hierher kam, dann stank etwas mit unserem Auftrag in Deutschland. „Na ja.“ Ich schloss mein Büro ab. „Wenn eine Fliege stirbt, kommen tausend zur Beerdigung.“ Oder hatte noch ein Erbstück meines Vaters recht? Ein kleiner buddhistischer Mönch namens Cho Li, der sagte: „Ein Scheißhaufen wird nicht dadurch besser, wenn ihn eine Million Fliegen zum Fressen finden. Aber, das ist alles eine Geschmacksfrage.“

Im Lift stieg ein Mann zu, dessen schwarze Uniform ihn als Mitglied des Sicherheitsdienstes auswies, der für das Ocean Building mit seinen 60 Stockwerken zuständig war. Hier arbeiteten fast fünftausend Menschen, die es zu koordinieren, kontrollieren und zu schützen galt. Ich hatte ihn noch nie gesehen.

HEF`S LIEBLINGSMANTEL….

„Sind Sie neu hier? Ich kenne Sie nicht“, fragte mein an sich zuverlässiges Misstrauen. „Ja Sir, ich meine Mr. Perkin. Ich mache mich gerade mit den Örtlichkeiten vertraut, Sir.“
Der Mann gefiel mir. Er hatte Benehmen und drängte sich nicht auf. „Haben Sie auch einen Namen?“
Der Mann deutete auf den Kragenspiegel, auf dem silberne Ziffern prangten. „Nummer 1310, Sir. Wenn Sie mehr über mich wissen wollen, fragen Sie bitte in der Verwaltung nach. Reine Sicherheitsmaßnahmen … Sie verstehen, Sir?“ Damit verließ er den Lift in der zehnten Etage.

Harry’s Bar, Boat Quai, alter Hafen, Singapur

Harry’s war eine Institution, die auf dem Film Casablanca basierte. Nur trafen sich hier kaum Gestrandete, was die Preise nicht zuließen. Hier traf man sich aus der Geschäftswelt der nahe gelegenen Börse und prahlte über Erfolge. Misserfolge gab es nicht. Jeder übertrumpfte jeden mit seinen Tagespekulationen. Und, die Bar hatte einen unbezahlbaren Vorteil: hier durfte noch geraucht werden.

Wie Jean, eigentlich ein Belgier und Inhaber, das bewerkstelligt hatte, verriet er niemandem. Seine füllige Frau Babette führte die Küche und wohl auch Jean, der sich selbst gerne mal der beste Gast war. Beide waren vor etwa zwanzig Jahren hier hergekommen und hatten aus einer Seemannsspelunke ein „In-Lokal“ gemacht, das einfach zum Bild vom alten Singapur gehörte. Und noch jemand war da, auf den ich heute gerne verzichtet hätte. James Cheer.

Buchinfos

TÖCHTER DER TRIADEN  (Band 1) von Hef Buthe

Krimi / Preis: 4,99 Euro (315 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845009889

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HEF BUTHE

Hef Buthe wurde 1946 geboren. Von 1968 bis 1975 durchstreifte er die USA, Südamerika und Asien. Als Reporter berichtete er über den Vietnamkrieg, den Bürgerkrieg in Nicaragua und den Jom-Kippur-Krieg. Danach folgten Aufenthalte auf Borneo, in Japan und Sibirien. Während seines anschließenden Studiums der Wirtschaftswissenschaften gründete er mit einem Freund eine Beraterfirma in Hongkong. 2000 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Heute wohnt er mit seiner Frau Ulla in Olpe und widmet sich ausschließlich dem Schreiben.

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Weitere Titel des Autors

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Töchter der Triaden 2 – 4,99 Euro

Der Anwalt Perkin, immer noch in den Fängen zweier verfeindeter Triaden, bekommt einen vermeintlich leichten Auftrag: die Asche eines verstorbenen Mitarbeiters ins Kloster KOYASAN, in den Bergen von OSAKA zu überführen. Doch der Auftrag nimmt gefährliche Dimensionen an. Perkin wird beschattet, von einem Doppelgänger verfolgt, das Kloster ist eingeschneit und wahrlich kein Ort der Besinnung …
Es kommt zu einer Begegnung, die Perkin an seinem Verstand zweifeln lässt. Will ihn jemand in den Wahnsinn treiben?

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Ex & Hopp – Kriminalgeschichten

Horst Eckert: Mit diesem Crime-Medley beweist Horst Eckert, dass er auch die Kunst der hervorragenden Kurzgeschichte beherrscht. Ob humorvoll, melancholisch oder voller Thrill – in seinen sechzehn zum Teil preisgekrönten Storys zeigt er die Bandbreite seines Könnens.

LESEPROBE
Der Minister und der Bär
Sie hörte den Krach und hielt inne. Kurz darauf roch es ganz ähnlich wie manchmal unten im Tal, wenn die Bauern des Dorfs ihren Müll verbrannten. Doch dieser Geruch kam von weiter oben, wo dichter, menschenleerer Wald den Großteil des Bergs bedeckte.
Gab es vielleicht dort oben etwas zu Essen, wie manchmal im Abfall der Bauern?
Ihre Jungs blickten sie an. Noch waren die beiden auf ihre Milch angewiesen, doch die war rar zurzeit. Sie selbst spürte Hunger – in den letzten Tagen hatte es nur Kräuter und Wurzeln, Blüten und junge Triebe gegeben. Beeren reiften noch nicht, Pilze wuchsen hier keine. Und die Jagd auf Fleisch war erfolglos gewesen, seit einer der Bauern ihr in die Schulter geschossen hatte und ihre Beweglichkeit eingeschränkt war. In die Nähe des Dorfs hatte sie sich bislang nicht mehr gewagt.
Aber irgendwann würde sie ins Tal hinabsteigen müssen.
Eine Ziege oder ein Schaf wären nicht schlecht.
Die Kleinen gaben Klagelaute von sich.
Sie hielt die Nase in den Wind. Schließlich beschloss sie, es in Richtung des Gipfels zu versuchen, wo der Wald dichter und unwegsamer wurde und der Geruch seinen Ursprung hatte.

„Wie schaut’s aus, Walter?“, fragte Henning Petzold. Der Besucherstuhl knackte unter seinem Hintern, als er sich vorbeugte. „Komm doch mit!“
Ministerpräsident Castorp schüttelte den Kopf. Ihm war unwohl bei dem Gedanken an die allzu häufigen Lustreisen des Dicken, und er bedauerte es sehr, dass er zwei oder drei Mal teilgenommen hatte. Er fand, dass Henning zu weit ging, wenn er sich regelmäßig von der Landesbank einladen ließ. Immerhin war er als Finanzminister oberster Aufseher des staatlichen Geldinstituts und sollte seine Unabhängigkeit bewahren.
„Die Morgenpost …“, begann Castorp seinen Einwand.
„Vergiss das Käseblatt, Walter.“
„Aber angeblich hat sich bereits ein Reporter nach deinen Flügen erkundigt.“
Unseren Flügen, schon vergessen?“ Petzold lachte. „Nein, mein Lieber, mach dir keine Sorgen. Der Verleger hat gerade um einen Kredit der Landesbank ersucht. Zeitungskrise, verstehst du, die Anzeigenerlöse brechen der Morgenpost weg. Wir sitzen am längeren Hebel. Das Käseblatt haben wir hundertprozentig im Sack, der Reporter ist bereits so gut wie kaltgestellt.“

Castorp wusste, dass er Henning Petzold die Gratisreise nicht einfach verbieten konnte. Er wollte die Freundschaft nicht riskieren, der Dicke war zu einflussreich. Die Partei war ihm hörig. Und keiner im Kabinett fuhr solche Sympathiewerte ein. In der Öffentlichkeit galt er als eiserner Sparer, unbestechlich und gewissenhaft, zugleich volksnah. Einer, der seine Wurzeln als Arbeitersohn nicht vergessen hatte.
Immer, wenn Henning bei ihm im Büro saß, waren die wichtigsten Köpfe des Landes versammelt, und Castorp hatte das Gefühl, insgeheim nur die Nummer zwei zu sein.
„Dir entgeht etwas“, sagte Petzold und zwinkerte. „Drei Tage Entspannung pur. Alles vom Feinsten. Und schon beim Hinflug beginnt die Hasenjagd.“
Castorp wusste, welche Sorte Hasen der Finanzminister meinte.

Neben ihnen deckte die Bedienung einen frei gewordenen Tisch ein. Das Grüne Schaf war neu und angesagt. Trotzdem hatte Petzold nie ein Problem, auch kurzfristig einen Platz zu bekommen.
Nach dem Dessert ging es unter vier Augen ums Geschäft.
„Eine Razzia?“, entfuhr es Vorderwühlbecke.
„Nicht so laut, Manni“, raunte Petzold und unterdrückte hinter vorgehaltener Hand einen Rülpser. Wachtelbrust, Rehfilet und Crème Brulée – ein mittägliches Dreigängemenü im sterngekrönten Edelschuppen wollte ordentlich verdaut sein. Die Aufregung seines Freundes amüsierte ihn.
Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank blickte sich um, dann senkte er die Stimme. „Wer hat sich denn so etwas Blödes ausgedacht? Was erzählst du? Beihilfe zur Steuerhinterziehung? Dass ich nicht lache! Wenn man das streng sehen will, besteht unsere gesamte Vermögensverwaltung aus nichts anderem. Als nächstes geht es womöglich unseren Kunden an den Kragen! Versteh mich richtig, Henning, ich rede hier nicht von Lieschen Müller und ihren Spargroschen.“
Petzold zuckte mit den Schultern. „Du verstehst sicher, dass es blöd aussehen würde, wenn ich als Finanzminister die Steuerfahndung stoppen würde.“
„Klar, aber …“
„Beruhige dich, Manni. Der Informationsvorsprung wird dir helfen, nichts anbrennen zu lassen. Vor nächster Woche tut sich da nämlich nichts. Versprochen.“
Vorderwülbecke leerte seinen 96er Château Belgrave. „Wenn das so ist …“
„Natürlich habe ich die Razzia dir gegenüber nie erwähnt. Nicht heute und bei keiner anderen Gelegenheit.“
„Nein, natürlich nicht. Danke, Henning. Du rettest die Bank und ihre Kunden.“
„Und dich, mein Lieber.“ Petzold winkte die Bedienung heran, ein hübsches, blondes Ding von höchstens Mitte zwanzig, und bestellte einen Verdauungsschnaps. „Für dich auch einen?“
Vorderwülbecke schüttelte den Kopf. „Danke, lass mal.“
„Nur einen, Fräulein.“ Er zwinkerte ihr zu. „Und die Rechnung bitte.“
Die Bedienung schob ab.
Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank neigte sich Petzold zu. „Für die Warnung hast du natürlich etwas gut bei mir.“
„Nicht nötig, Manni.“
„Diese blöden Steuerfahnder!“ Vorderwülbecke hatte sich noch immer nicht ganz eingekriegt.
„Höchstens um eine Kleinigkeit würde ich dich gerne bitten“, sagte Petzold.
„Nur zu.“
„Unser Pfingsturlaub. Lieber Karpaten als Ibiza, wenn’s geht. Ich würde nämlich gerne einen Bären schießen.“
„Kein Problem.“
„Schädel, Decke und Penisknochen als Trophäe. Und auf dem Rückflug setzt du mich und Tatjana in Split ab. Wir hängen noch ein paar Tage auf meiner Jacht dran. Der Flieger kann uns dann am Zwanzigsten abholen.“
„Tatjana?“
„Ein süßes Ding. Hatte ich noch nicht erwähnt, dass eine Freundin mitfliegen wird?“
„Kein Problem, Henning. Wir kriegen alles zu deiner Zufriedenheit…“
Die kleine Blonde kam mit dem Schnaps und der Rechnung. Das Feuerwasser brannte wohlig in Petzolds Kehle. Er schob den Teller mit der Rechnung seinem Kumpel zu und erhob sich ächzend, dem Fahrer am Nebentisch ein Zeichen gebend.
Bevor er ging, tätschelte er dem Landesbankchef die Schulter. „Übernimmst du das Bezahlen? Hab meine Brieftasche im Ministerium vergessen. Und deine Bank setzt das ohnehin von der Steuer ab.“

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Buchinfos

EX & HOPP von Horst Eckert

Krimi / Preis: 8,99 Euro (215 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845009391

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Autoreninfo & Blog

HORST ECKERT

Horst Eckert, Jg. 1959, lebt in Düsseldorf. Seine Romane gelten als „im besten Sinne komplexe Polizeithriller, die man nicht nur als spannenden Kriminalstoff lesen kann, sondern auch als Kommentar zur Zeit“ (Deutschlandfunk), wurden mehrfach übersetzt und preisgekrönt. Zuletzt wurde „Schwarzer Schwan“ (Grafit) als bester deutscher Kriminalroman mit dem „Krimi-Blitz“ von Krimi-Couch.de ausgezeichnet. www.horsteckert.de

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Köln blutrot – Kriminalgeschichten

16 Autoren. 24 Tote. Eine Stadt: Deutschlands beste Kurzkrimiautoren haben zugeschlagen: in der Nordstadt, in der Südstadt, op der schäl Sick. Einfach überall. Und jetzt hat unsere schöne Domstadt ein paar Leichen mehr. Die Bestsellerautoren Jacques Berndorf und Gisbert Haefs haben die Messer gewetzt. Die Friedrich-Glauser-Preisträger Norbert Horst, Jürgen Ehlers und Sabina Naber die Pumpgun durchgeladen. Die Krimispezialisten Ralf Kramp, Brigitte Glaser und Carsten Sebastian Henn die Axt geschwungen. Die Kölner Killer Helmut Frangenberg, Sibylle Spittler und Hartwig Liedtke im Giftschränkchen gewühlt. Der Deutsche Kurzkrimipreisträger Kai Hensel, Sir-Walter-Scott-Preisträger Andreas Izquierdo und Thrillerspezialist U.A.O. Heinlein die Lunten gelegt. Und zum Schluss haben Angela Eßer und Julius Moll sie alle beerdigt. (Mit einem Vorwort von Frank Schätzing)

LESEPROBE
Jacques BerndorfBrunkowski

Es machte überhaupt keinen Sinn, so zu tun, als sei alles in Ordnung. Die Verwaltung hatte ihm eindeutig und schriftlich mitgeteilt, er solle seine Nebenjobs gefälligst nicht allzu weit und auf Kosten seines Berufes ausdehnen, und seine Frau hatte ihm abends bei einem Leberwurstbrot und einem Bier mitgeteilt, sie werde sich scheiden lassen, sie habe die Schnauze voll – und er sei ein lausiger Ehemann, und sie habe das Dasein mit ihm ohnehin zu viele Jahre ausgehalten, und im übrigen habe auch ihre Tochter geäußert, dieser Vater sei kein Vater, dieser Vater sei einfach unmöglich.
Er hatte lapidar geantwortet, er sei von Herzen froh, dass sie überhaupt ein Wort an ihn richte. Dann war er gegangen und zu Fuß bis zum Polizeipräsidium marschiert. Er hatte sich unterwegs vorgestellt, wie das werden würde, allein zu leben. Aber er hatte keine Antworten. Alleinleben kannte er gut von gewissen Straftätern, mit denen er häufig zu tun hatte. Alleinleben hatte ihn immer wieder geschockt, weil es mit maßlosen Batterien an leeren Flaschen zu tun hatte, an Betten, die seit zwei Jahren nicht neu bezogen worden waren, an Sofas, die vor Dreck starrten, an die seit einem Jahr nicht mehr geöffnete Post, an gebrauchte Kondome im Spülbecken in der Küchenecke.

Im dritten Stock begegnete ihm Matthias und war erstaunt. „Wieso bist du hier, Brunkowski? Du solltest zu Hause sein und schlafen.“ – „Ich weiß nicht, was ich hier soll“, antwortete er wahrheitsgemäß. „Aber zu Hause ist die Luft nicht sauber“. Mit Matthias konnte er so reden, Matthias wusste, wie das Leben geht, Matthias war ein angenehmer Vorgesetzter, einer, der niemals brüllte. „Ich habe was für dich“, sagte Matthias. Dann hockte Brunkowski auf diesem elendig harten Stuhl vor Matthias Schreibtisch.
„Also, wir haben da eine Sache in Chorweiler. Nichts Besonderes, nicht besonders schlimm. Zwei Jugendliche haben heute Morgen einen alten Mann in seiner Wohnung ausgenommen, achte Etage. Nicht einmal hundert Euro. Sie haben geklingelt, ihn angegriffen und mit Messern getötet. Wir haben die zwei schon hier, sie sind geständig, sie machen keine Schwierigkeiten. Genau gegenüber von dem alten Mann ist eine Wohnung, in der ein Siebzehnjähriger lebt, allein, wie er behauptet. Der muss etwas davon mitbekommen haben. Und du kannst es doch so gut mit Jugendlichen. Also, mach mir den Jungen zu einem guten Zeugen, irgendetwas ganz Sanftes, wenn du weißt, was ich meine. Er heißt Kevin Medock, er ist ein ganz Lieber, und er sieht ständig so aus, als würde er gleich heulen. Machst du das für mich?“ – „Aber sicher“, murmelte Brunkowski. – „Weil du doch so gut mit Kindern kannst“, setzte Matthias hinzu und hatte dieses gütige Lächeln drauf.

Es war kein Dienstfahrzeug frei. Brunkowski ging deshalb rüber zu den Taxen, überlegte es sich aber und nahm dann die Straßenbahn. Zuweilen fand er es nötig, der Stadt ins Gesicht zu sehen, das konnte man nur in der Straßenbahn. Er setzte sich ganz weit nach hinten und betrachtete die Hinterköpfe der Leute und versuchte zu erraten, welche Berufe sie hatten. Dann meldete sich sein Handy, seine Tochter.
„Es ist klar, Papa, dass wir uns in vierzehn Tagen verloben. Jedenfalls hat Tobi gesagt, wir sollen eine Party schmeißen und einfach gut rüberkommen.“
„Aha“, sagte Brunkowski. „Und wer ist Tobi?“
„Du weißt doch! Tobi! Also der, mit dem ich zusammen bin.“
„Ja, gut“, lenkte Brunkowski ein. „Also Tobi. Was heißt das jetzt?“
„Dass ich eine Klamotte brauche. Ich muss ja ein bisschen was für die Show machen. Da habe ich auf der Hohen Straße was gesehen, das könnte hinhauen. Es sieht aus wie Jeansstoff, aber eigentlich ist es keiner. Und es hat Hosenträger mit roten Pailletten.“
„Was heißt das jetzt?“, fragte Brunkowski.
„Dass ich mir das holen will.“
„Dann sag deiner Mutter, sie soll dir das Geld dafür geben.“
„Du bist ein Schatz“, sagte sie.
„Das bin ich nicht“, sagte Brunkowski matt. „Das möchte ich gar nicht sein.“
In dem Haus, in dem dieser Kevin wohnte, war der Lift kaputt, und er begann mit dem endlosen Aufstieg und legte ab und zu eine Pause ein. Irgendwo über ihm johlten Halbwüchsige, es dröhnte wie in einer Trommel.
Als er angekommen war, sah er zuerst auf das Namensschild des alten Mannes, den sie getötet hatten. Er hatte Franz Weber geheißen. Die Tür stand leicht geöffnet, er ging hinein und sah in einem Wohnraum die Techniker der Kripo arbeiten. Jemand entdeckte ihn und sagte: „Hallo, Brunkowski. Auch dabei?“
„Na ja“, antwortete er vage. „Wie weit seid ihr?“
„Ziemliche Schweinerei“, gab jemand Auskunft, den er nicht sehen konnte. „Es gibt überhaupt keine Stelle, wo kein Blut ist. Die haben den Alten richtig gehäckselt.“
„Ich bin mal gegenüber“, murmelte Brunkowski.
Er drückte auf die Klingel und hörte, wie sich jemand der Tür näherte.
„Brunkowski, Kripo“, sagte er zu der geschlossenen Tür.
Die Tür ging langsam auf und jemand mit einer erstaunlich tiefen Stimme sagte: „Kommen Sie herein.“
Brunkowski machte ein paar Schritte und fragte: „Kevin? Bist du Kevin?“
„Ja“, nickte der Junge.
„Kann ich dich sprechen? Sind deine Eltern da?“
„Die sind nicht da. Ich lebe allein“, sagte der Junge. „Das Wohnzimmer ist geradeaus.“
Brunkowski war verblüfft über seine Sanftheit, die etwas Stählernes hatte, jeden Widerspruch unmöglich machte.

Das Wohnzimmer war aufgeräumt, sehr sauber, sehr hell, mit einfachen, aber hübschen Möbeln aus massivem Kiefernholz. Die Teppiche waren neu, sehr farbig, Brunkowski schätzte, dass man sie skandinavisch nannte – oder finnisch oder norwegisch. Eine Sitzecke, quadratische Polster in weinrot, ein kleiner Couchtisch mit einer Acrylplatte.
„Dann wollen wir mal“, sagte Brunkowski und legte seinen Notizblock auf den Tisch.
„Was wollen wir mal?“ fragte der Junge von irgendwoher. Dann kam er hinein und stellte zwei Gläser und zwei kleine Flaschen Wasser auf den Tisch.
„Na ja“, murmelte Brunkowski. „Reden, meine ich. Über die eklige Geschichte da drüben beim alten Franz Weber.“
Der Junge öffnete die Flaschen und goss ein. Dann setzte er sich auf einen Sessel. Er wirkte ganz ruhig, nicht im Geringsten aufgeregt. Er hatte ein sehr weiches Gesicht unter dunklen, halblangen Haaren. Er trug ein einfaches schwarzes T-Shirt zu blauen Jeans und weißen Laufschuhen, ein Allerweltsjunge.
„Ich muss mich wohl entschuldigen, dass ich dich duze“, sagte Brunkowski mit einem schnellen Lächeln.
„Das macht nichts“, erwiderte der Junge freundlich. „Ist schon in Ordnung.“
„Du kannst ganz offen sein“, sagte Brunkowski. „Wir haben die zwei Täter schon, und gestanden haben sie auch. Was hast du denn mitgekriegt von der Sache?“
„Nicht alles“, sagte er. Es klang wie ein abschließendes Statement.
„Und du kanntest den Weber?“
„Ja, sicher. Wie man sich so kennt auf dem gleichen Stock, Tür an Tür.“
„Wie kommt es denn, dass du hier allein lebst? Ich meine, hast du keine Eltern? Und wer sorgt für dich?“

Der Junge hatte sehr lange, elegante Hände, die seine Seele verrieten. Mal lagen sie still, mal sprachen sie miteinander, mal trennten sie sich und zuckten nervös, um dann starr und steif auf den Oberschenkeln zu liegen.
„Also, meine Eltern haben sich getrennt. Vor zwei Jahren. Mein Vater lebt in Düsseldorf, meine Mutter hat einen Neuen und ist in Nippes irgendwo. Ich wollte den Neuen nicht, und auch nicht die Freundin von meinem Vater. Und da habe ich gesagt, dass ich hier bleibe. Die Miete ist billig, meine Eltern zahlen zwei Drittel, den Rest bezahle ich.“
„Und was arbeitest du?“ Brunkowski hatte es längst aufgegeben, sich zu wundern, es gab merkwürdige Lebensläufe in dieser modernen Welt, bei diesen so modernen jungen Leuten.
„Ich hab zusammen mit einem Kumpel einen Kiosk, unten am Rondell. Läuft ganz gut.“
„Keine Schule mehr?“
„Die Schulen hier sind Scheiße, auch wenn es immer heißt, sie tun, was sie können.“
„Also, ein freier Unternehmer?“
„Das ging ja nicht. Ich bin nicht geschäftsfähig, der Kiosk läuft auf meine Mutter.“
„Und wie oft siehst du die?“
„Eher selten, manchmal einmal im Monat, manchmal gar nicht, wenn sie rumzieht mit ihren Kerlen. Und dann weiß ich auch nicht, wo sie ist, und es hat keinen Zweck, nach ihr zu suchen. Manchmal rufen die Bullen an, weil meine Mutter irgendwo Scheiße gebaut hat und ausgelöst werden muss. Vierzig Bier und sechzig Korn, und so.“
„Und das machst du dann?“
„Ja, klar.“
„Warum ruft sie dann deinen Vater nicht?“
„Weil der sich weigert, sie überhaupt zu kennen.“ Feststellung einer Tatsache.
„Und was macht dein Vater beruflich?“
„Der ist in der Werbung. Oder vielleicht nicht mehr, weiß ich nicht.“
„Also, Kevin, wann hast du deinen Vater zum letzten Mal gesehen?“
„Das ist mehr als ein Jahr her. Aber ich denke, Sie sind hier wegen Weber.“
„Bin ich auch. Ich weiß nur gern, mit wem ich rede, und deshalb frage ich nach allen diesen Dingen.“
„Ach so, ja klar. Sie kriechen in die Leute rein.“
„Richtig, ich krieche in die Leute rein. Sag mal, kann ich mal zur Toilette?“
„Ja, klar. Draußen, zweite Tür rechts.“

Brunkowski ging in die zweite Tür nach rechts. Die Toilette war sehr sauber. Er wartete eine Weile, ließ dann die Spülung rauschen, kam zurück in den kleinen Flur, öffnete die Tür zur Küche, dann die zu einem Schlafzimmer. Brunkowski glaubte es nicht: Alle Räume waren sauber, aufgeräumt, nichts stand herum, es herrschte eine beinahe sterile Reinheit. Er ging zurück in den Wohnraum und setzte sich wieder. Er sagte: „Entschuldigung, ich habe die Türen verwechselt.“ Er setzte sich wieder. „Wer macht hier eigentlich sauber?“

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Buchinfos

KÖLN BLUTROT von: Frank Schätzing, Jürgen Ehlers, Jacques Berndorf, Sibylle Spittler, Norbert Horst, Helmut Frangenberg, Julius Moll, Ralf Kramp, Brigitte Glaser, Andreas Izquierdo, Carsten S. Henn, Hartwig Liedkte, Gisbert Haefs, Kai Hensel, U. A. O. Heinlein, Angela Eßer, Sabina Naber

Kurzkrimis / Preis: 3,99 Euro (180 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (Satzweiss.com-Chichili)-Verlag – ISBN: 9783845003658

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Autoreninfo & Blog

HERAUSGEBER: ANDREAS IZQUIERDO

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Weitere Titel

berlin

Berlin blutrot – 3,99 Euro

Wieder haben Deutschlands beste Krimiautoren zugeschlagen: Am Bahnhof Zoo, am Brandenburger Tor oder am Alex. Einfach überall. In der Hauptstadt türmen sich die Leichen.
Die Bestsellerautoren Sebastian Fitzek und Michel Birbæk haben die Messer gewetzt, die Friedrich-Glauser-Preisträger Zoë Beck, Christoph Spielberg und der Deutsche Krimipreisträger Oliver Bottini die Lunten gelegt. Tatort-Kommissar Jochen Senf und Tatort-Autorin Ulrike Bliefert haben die Pumpgun geladen. Die Thrillerspezialisten Stephan Hähnel, Andrea Vanoni und Viktor Iro die Axt geschwungen. Krimi-Shootingstar Vincent Kliesch und Altmeister -ky im Giftschränkchen gewühlt. Die Auftragsmörder Marcel Feige, Lena Blaudez und Kai Hensel die Schlingen geknüpft. Und zum Schluss hat der Cleaner Lothar Berg sie alle beerdigt. Mit einem Vorwort von U. A. O. Heinlein, Hrsg.: Andreas Izquierdo & Angela Eßer

BUCHTRAILER ZU BERLIN BLUTROT

Autoreninfo

DIE AUTOREN VON KÖLN BLUTROT IN KÜRZE:

Jacques Berndorf (Pseudonym des Journalisten Michael Preute) wurde 1936 in Duisburg geboren und wohnt in der Vulkaneifel. Seine Romane um den Ermittler Siggi Baumeister haben mittlerweile eine Gesamt-auflage von drei Millionen erreicht, mit seinem jüngsten Roman „Mond über der Eifel“ stiegt er sofort auf Platz 1 in die Bestsellerliste ein. Im Dezember 2006 wurde sein Theaterstück „Eifel-Frieden“ aufgeführt, für Heyne schreibt er seit 2005 eine Reihe packender Polit-Thriller.

Dr. Jürgen Ehlers, geboren 1948, schreibt kurze und lange Krimis. Für seine Kriminalgeschichte „Weltspartag in Hamminkeln“ (2005) erhielt er 2006 den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Kurzkrimi. Seine Story „Killer aus Hamminkeln“ wurde 2007 mit dem 1. Krefelder Kurzkrimipreis ausgezeichnet. Kriminalromane: „Mitgegangen“, „Neben dem Gleis“ und „Die Nacht von Barmbeck“. members.aol.com/EhlersKrimi/

Angela Eßer wurde in Krefeld geboren, studierte Theaterwissenschaft und war als pädagogische Mitarbeiterin an der Volkshochschule München und am Theater tätig. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Augsburg und gibt Krimi-Kochseminare, in denen die Essvorlieben von berühmten Privatdetektiven und Kommissaren aus der Kriminalliteratur aufgedeckt werden. Außerdem ist sie Herausgeberin einiger Krimi-Anthologien, Mitorganisatorin von Krimifestivals (u.a. Krimifestival München), neben Jürgen Kehrer und Andreas Izquierdo im Sprecherteam des Syndikats, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur und bekennender Köln-Fan. www.angelaesser.de

Helmut Frangenberg, geboren 1966 im Severinsklösterchen, Journalist, Historiker und Karnevalssitzungspräsident, Autor der Köln-Krimis „Marathon“ und „Trümmer“, seit 2005 Redakteur des „Kölner Stadt-Anzeigers“, vorher bei „Radio Köln“ und der „Kölnischen Rundschau“.

Brigitte Glaser, geboren 1955, aufgewachsen am Rand des Schwarzwaldes, kam 1980 nach Köln. Schrieb für den Kölner Stadtanzeiger Kurzkrimis unter dem Titel „Tatort Veedel“ und hat dabei Stadtteile erforscht, die viele Kölner noch nie betreten haben. Kein Wunder also, dass es die Heldin ihrer Kriminalromane, die Spitzenköchin Katharina Schweitzer, ausgerechnet auf die „schäl Sick“ verschlägt … www.brigitteglaser.de

Gisbert Haefs, geboren 1950, lebt und schreibt in Bonn, ist als Übersetzer zuständig u.a. für Jorge Luis Borges, Rudyard Kipling, Georges Brassens, Arthur Conan Doyle, als Autor haftbar für Krimis („Matzbach“), Erzählungen und historische Romane (Hannibal, Troja, Raja, Caesar, etc.)

U. A. O. Heinlein, geboren 1955 in Hildesheim, Professor für Genetik, Musiker und Publizist, hat in den letzten Jahren für seine Polit-, Wirtschafts- und Wissenschaftsthriller angelsächsischer Prägung ausgesprochen gute Kritiken erhalten.  www.uaoh.de

Carsten Sebastian Henn, geboren 1973, lebt mit Frau, Kindern, Katzen, unzähligen CDs und zwölf Rebstöcken bei Köln. Seine Reihe um den Koch und Meisterdetektiv Julius Eichendorff verkaufte sich bereits über 100.000 mal und erscheint auch in Hörbuchform, gelesen von Jürgen von der Lippe. Sein neuester Roman „Tod & Trüffel“ stand mehrere Wochen in der Spiegel-Bestsellerliste. www.carstensebastianhenn.de

Kai Hensel, geboren 1965 in Hamburg, lebt als freier Autor und Reisejournalist in Berlin. Aktuelle Infos unter  www.kiepenheuer-medien.de  Norbert Horst ist im Hauptberuf Kriminalhauptkommissar bei der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen. Für seinen ersten Roman mit KHK Kirchenberg, „Leichensache“, erhielt er den Friedrich-Glauser-Preis 2004 für das beste Krimidebüt; für „Todesmuster“ wurde er mit dem Deutschen Krimipreis 2006 ausgezeichnet. Der Autor ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Ostwestfalen.  www.norbert-horst.de

Andreas Izquierdo, geboren 1968, Sohn eines deutschen Ingenieurs und einer spanischen Krankenschwester; aufgewachsen in Iversheim (Nord-Eifel), nach dem Abitur (1987) nach Köln gezogen. Zusammen mit Jürgen Kehrer und Angela Eßer Sprecher des Syndikats.  www.izquierdo.de

Ralf Kramp, geboren am 29. November 1963 in Euskirchen, lebt heute in der Eifel als Autor und Karikaturist. Für sein Debüt „Tief unterm Laub“ erhielt er 1996 den Eifel-Literatur-Förderpreis. Unter dem Titel „Blutspur“ veranstaltet er Krimiwochenenden in der Eifel. Im Jahr 2002 erhielt er den Kulturpreis des Kreises Euskirchen. Seit 2007 leitet er mit seiner Frau Monika das „Kriminalhaus“ in Hillesheim mit Deutschlands einzigem Krimi-Café und dem „Deutschen Krimi-Archiv“ mit etwa 30.000 Büchern. www.ralfkramp.de

Hartwig Liedtke studierte Psychologie und Medizin in Berlin, Mainz und Köln, ist Mitglied im Syndikat, dem Verband deutschsprachiger Krimiautoren, und dem Bundesverband deutscher Schriftstellerärzte. Er arbeitet heute als Handchirurg in eigener Praxis.  www.chirurg-koeln.de

Julius Moll verfasst Romane, Novellen, Glossen, Lyrik und Mundarttexte und züchtet Koi-Karpfen für die Spitzengastronomie. Der Autor lebt in Gummersbach und Köln.  www.juliusmoll.de

Sabina Naber, geboren 1965 in Niederösterreich, studierte Theaterwissenschaften und anderes in Wien. Ihr erster Kriminalroman mit der Wiener Kommissarin Maria Kouba „Die Namensvetterin“ erschien 2002. Inzwischen liegen vier Maria Kouba-Krimis vor. Für ihre Story „Peter in St. Paul“ wurde Sabina Naber 2007 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet.  www.sabinanaber.at

Sibylle Spittler stammt aus Franken, einem Landstrich im Süden, dessen Bewohner als schwermäulig, stur und trinksüchtig gelten. Wegen mangelnder Schwermäuligkeit verließ sie die Heimat und landete nach Jahren künstlerisch wertvoller Arbeit als Schauspielerin, Regisseurin und Sängerin 1993 versehentlich in Köln. Hier lebt und wirkt sie seitdem als Freie Autorin.

Antje Stockmann, Illustratorin, geboren 1970, ist diplomierte Grafikdesignerin. Sie lebt und arbeitet in Köln und Düsseldorf. Näheres über sie erfährt man unter  www.antjestockmann.de

Pan erwacht-Kriminalgeschichten

Von Oliver Buslau: Was ist das Geheimnis der so genannten “Wupper-Stradivari”? Was geschieht, wenn eine Frau das Kleid einer Mörderin geschenkt bekommt? Oder wenn eine Ex-Geliebte in eine scheinbar perfekte Ehe einbricht? Der Krimi-Autor Oliver Buslau versammelt hier 10 nicht nur kriminelle Kurzgeschichten rund um die Themen Mord, Musik und menschliche Merkwürdigkeiten – zum Teil mit einem Hauch Grusel, zum Teil klassisch-mörderisch und abgründig.

LESEPROBE:

Die Wupper-Stradivari
Als André in die Garderobe zurückkehrte, leuchtete ihm die blutrote, sanft geschwungene Samtaussparung des Geigenkastens wie eine offene Wunde entgegen. Ein Schock durchfuhr ihn, sein Herz hämmerte ein wildes Stakkato. Er war nur für einen Moment auf die Bühne gegangen, hatte kurz mit dem Konzertmeister den Soloeinsatz besprochen…

Die Violine war verschwunden. Seine Wupper-Stradivari. Sie war gestohlen worden. Eine andere Erklärung gab es nicht. André brach der Schweiß aus. Vielleicht war der Täter noch in der Stadthalle. Er musste zum Pförtner. Alles abriegeln lassen. Die Polizei verständigen.
Im selben Moment setzte bombastische Musik ein. Eine dramatische Stelle aus dem Violinkonzert von Johannes Brahms. Andrés Handy-Klingelton. Er drückte den Knopf, während er hinaus auf den Flur stolperte. Der Hausmeister saß sicher in seiner Loge am Bühneneingang. Er hastete über den Gang, das Handy am Ohr. „Ja, was?“
„André, wie schön, dass du rangehst.“
„Ich habe jetzt keine …“
Er stolperte um die die Ecke. Die Loge war leer.
„Du vermisst etwas, oder?“
Das Blut pulste in seinen Adern und sorgte für ein hämmerndes Echo in seinen Ohren.
Die Stimme. Er kannte sie. Es war lange her…
„Sei in einer Viertelstunde auf dem Brill.“
Was war das? André lehnte sich an die Wand und schloss die Augen. Er musste sich konzentrieren.
„Was… wollen Sie Geld?“
„Geld?“ Die Stimme brach in keuchendes Lachen aus. „Geld … oh, André. Dass ihr jungen Leute immer nur daran denken könnt!“
„Was wollen Sie dann?“
„Sei pünktlich.“
„Hallo? „
Der andere hatte aufgelegt.
André war in das Foyer der Stadthalle gelaufen. Auch hier keine Spur vom Hausmeister. Die Reihe schwarzer Säulen links und rechts, die das helle, mit Ornamenten verzierte Gewölbe trugen, erinnerte ihn an eine Kirche. Die alten hölzernen Kartenverkaufslogen vor dem Eingang zum großen Saal hatten etwas von Beichtstühlen. In einer Stunde würden sich hier fast tausend Besucher drängen, um ihn zu hören: André Haberkorn. Ihn und seine Wupper-Stradivari.

Wie lange hatte er auf diesen Auftritt hingearbeitet, sich bei Dirigenten vorgestellt, Veranstalter antichambriert, um endlich spielen zu dürfen? Dass es jetzt das eigentlich unbedeutende Katernberger Kammerorchester war, das ihn auftreten ließ, hatte er angesichts des Ortes des Veranstaltung hingenommen – die Historische Wuppertaler Stadthalle war eines der schönsten Konzertgebäude, das man sich vorstellen konnte.

Die Tür zum Saal stand offen. Die verwaisten Notenpulte des Kammerorchesters füllten die Bühne. Dort oben sollte er gleich stehen und Mozarts fünftes Konzert spielen. Umgeben von Stuck und Gold, umrahmt von der verschwenderischen Jugendstilmalerei, unter einem hohen gemalten Himmel voller tanzender Engelchen. Ein prachtvoller Saal, in dem der Klang der Wupper-Stradivari perfekt zur Geltung kommen würde. Bloß …
Du wirst sie nur bekommen, wenn du dich beeilst. Handle. Fahr zum Brill.
Irgendetwas in ihm hatte immer noch geglaubt, jemand spiele ihm einen Streich. Er zog sein Handy hervor und versuchte die Nummer des Anrufers herauszufinden.
Du verlierst nur Zeit.
Er hetzte zum Bühneneingang, vorbei an den Schaukästen mit seinem Bild, die Violine in der Hand. Du wirst sie nur bekommen, wenn du dich beeilst. Handle. Fahr zum Brill.
Das Briller Viertel war eine Erhebung auf der anderen Wupperseite. An dem Hang erstreckte sich das berühmte Villenviertel, wo unter anderem Else Lasker-Schüler gelebt hatte. André ließ das Taxi, das er zum Glück am Hotel neben der Stadthalle gefunden hatte bis zum Wendehammer hinauf fahren, bat den Fahrer zu warten und eilte zu Fuß weiter. Ein Jogger kam ihm entgegen, ein paar Spaziergänger. Er sah auf die Uhr. Noch knapp eine Stunde bis zu seinem Auftritt… Wo sollte er hin? Der Wald war groß. Eine alte Frau mit einem Dackel an der Leine sah erschrocken auf, als aus Andrés Tasche wieder Brahms ertönte.
„Du bist folgsam“, raunte die Stimme. „Das ist gut. Geh zum Weyerbuschturm.“
Er wollte etwas fragen, aber der Mann hatte die Verbindung gekappt.

Trotz des kühlen Wetters kam André ins Schwitzen, als er auf den altertümlichen Turm zulief. Er wirkte wie Rapunzels Behausung in einem dieser tschechischen Märchenfilme. Weit oben ragte unter den Zinnen ein Erker mit Fenstern hervor. Ein rundes spitzes Dach krönte das Bauwerk. An seinem Fuß lag unter kahlen Bäumen ein verwaister Spielplatz. Eine Rutsche spiegelte matt das graue Licht des Herbstabends. André sah sich um. Niemand war in der Nähe. Aber auf der untersten Stufe der Treppe, die zum Turm hinaufführte, lag etwas. Ein schäbiger alter Geigenkasten. Was sollte das jetzt? Eine Geigenentführung, und dann gab man ihm das Instrument zurück? Er rannte hinüber, und er hatte es fast erwartet, dass genau in dem Moment als er die Treppe erreichte, der Brahms wieder losdudelte.
„Keine Angst, du wirst dein Konzert geben.“
Er hätte erleichtert sein müssen, aber das Gefühl wollte sich nicht wirklich einstellen. Man legte ihn herein, oder?
Er hob den Kasten mit der linken Hand an und bewegte ihn leicht. Da war etwas drin. Am liebsten hätte er hier an Ort und Stelle nachgesehen. Aber das war zu gefährlich. Die Violine konnte durch die Luftfeuchtigkeit hier draußen Schaden nehmen.
„Was soll das alles?“, keuchte er ins Telefon.
„Fahr zurück und freu dich auf deinen Auftritt.“
Als er das Taxi erreichte, schmerzten seine Lungenflügel. Er ließ sich auf die Rückbank fallen und umklammerte den alten Geigenkoffer. „Zur Stadthalle“, brachte er hervor. Noch eine knappe halbe Stunde. Zum Glück stand als erstes irgendeine Rossini-Ouvertüre auf dem Programm, dann kam André mit dem Mozart, und nach der Pause gab es noch Beethovens Fünfte. Auf dem Gang vor der Garderobe begegnete er dem Dirigenten, der bereits Frack trug. „Wir dachten schon, du wärst verschollen“.
„Keine Angst, ich bin in fünf Minuten fertig.“
André schloss die Garderobentür und deponierte den Geigenkasten auf dem Schminktisch. Mit zitternden Fingern ließ er die Schlösser aufschnappen und hob den Deckel…
Das war nicht seine Violine!
Das war eine verdammte, billige Schülergeige, wie man sie für weniger als dreihundert Euro in jedem Musikalienhandel bekam. Das Blut pochte in seinen Schläfen, und er hätte am liebsten vor Verzweiflung laut losgeheult.
Das Handy.
„Was soll das?“, brüllte André ins Telefon. „Geben Sie mir meine Geige zurück.“
„Deine Geige, soso …“
Und plötzlich streifte ihn wieder diese Ahnung. Der Mann war kein Unbekannter. Er war …

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PAN ERWACHT von Oliver Buslau

Krimi / Preis: 3,99 Euro (111 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845002859

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OLIVER BUSLAU

Oliver Buslau begann im Jahre 2000 mit seinen Krimis um den Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott seine Schriftstellerkarriere. Neben den Rott-Romanen „Die Tote vom Johannisberg“, „Flammentod“, „Rott sieht Rot“, „Bergisch Samba“, „Bei Interview Mord“, „Neandermord“ und „Altenberger Requiem“ schrieb Buslau die Krimis „Schängels Schatten“, „Das Gift der Engel“, „Die fünfte Passion“ und „Schatten über Sanssouci“. Über die Jahre hat der Autor auch eine Reihe von Kurzkrimis und Kurzgeschichten für Anthologien geschrieben. Einige davon erscheinen hier als Sammelband. Die Geschichten „Ein gemeinsames Geheimnis (Nadine 2)“ und „Nach Norden! Zum Meer!“ waren bisher unveröffentlicht. Oliver Buslau ist Gründer und Chefredakteur von „TextArt – Magazin für Kreatives Schreiben“, einer Zeitschrift für angehende Autoren. www.oliverbuslau.de

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Garten der Geschwister – Mystery

Von Patricia Brooks: Ein Paar – Richard und Gloria – flüchtet im Auto aus einer Stadt, flieht vor der Untersuchung eines Falles, der das Geheimnis ihrer Beziehung – ein Geflecht aus Liebe, Schuld, Hass und Abhängigkeit – aufdecken würde. Mit dem letzten Tropfen Benzin halten sie bei einem einsamen Haus und treffen dort auf zwei Halbwüchsige – Clarissa und ihr Bruder Phillip -, deren Eltern scheinbar verreist sind. Die Kinder legen es darauf an, ihre zufälligen Gäste länger im Haus zu halten… Eine psychisch labile Frau, ihr überprotektiver Begleiter, ein emotionell eng aneinander gebundenes jugendliches Geschwisterpaar – die Gruppendynamik der vier handelnden Personen lässt den Roman zum nervenaufreibenden Page-Turner

LESEPROBE

Vor zwei Stunden hatten sie die Stadt verlassen. Richard lenkte den grauen Toyota durch die Nacht. Er fuhr ruhig und ohne Hast. Sie waren in diesem Augenblick in Sicherheit, in Sicherheit vor der Vergangenheit und vor der Zukunft. Seine Haltung war entspannt. Er genoss diese Nachtfahrt überland, genoss das Wissen, etwas hinter sich gelassen zu haben und etwas Neues zu beginnen. Eine magische Zeitspanne, eine geistige Freiheit, in der alles offen, alles möglich war. Gloria saß in den Beifahrersitz gekauert und blickte unverwandt aus dem Fenster. Der Lichtkegel der Autoscheinwerfer erhellte einen Ausschnitt der Straße und skizzierte die Idee einer gespenstischen Landschaft. Die Dörfer, durch die sie fuhren, schliefen tief und fest. Richard hatte mit Absicht kleine Landstraßen abseits der großen Schnellstraßen und Autobahnen gewählt. Er hörte Musik aus dem Autoradio und rauchte. Sie sprachen nicht. Es gab in diesem Augenblick nichts zu sagen, nichts was neu gewesen wäre. Gloria lehnte den Kopf zurück, schloss für ein paar Sekunden erschöpft die Augen. Sie fühlte sich elend, jeder Muskel ihres Körpers verspannt. Ihr rechtes Bein schmerzte, ein glühender, peinigender Schmerz, der sich von den Lendenwirbeln bis zur Kniekehle zog. Das alte, schlummernde Leiden, das immer dann erwachte, wenn sie sich überanstrengte oder aufregte. Sie unterdrückte ein Seufzen. Richard wusste es ohnehin. Wusste es immer. Er warf den Stummel seiner Zigarette aus dem Fenster und legte seine Hand auf ihren Schenkel. Sah sie nicht an, schob nur den Saum ihres Rockes ein wenig hoch. Sie spürte die Wärme seiner Handflächen durch den dünnen Kunstfaserstoff ihres Rockes und ihrer seidigen Strümpfe sickern. Ein frostiger Schauer lief über ihren Körper. Sie trug immer noch die Uniform der Versicherungsgesellschaft, für die sie bis vor wenigen Stunden gearbeitet hatte. Taubenblaues Kostüm mit pfirsichfarbener Bluse. Es waren die Erkennungsfarben der Gesellschaft, die sie nun schon fast zwei Jahre lang auf jedem Briefpapier, Prospekt, jeder Versicherungskarte in den Händen gehalten hatte. Sie hätte weinen mögen. Am liebsten hätte sie Richards Hand fortgeschoben. Ließ es aber bleiben. Es war nicht gut Richard jetzt zu verärgern. Sie mochte es nicht, wie er ihr Bein, ihren Schmerz, sie in Besitz nahm, und doch war in dieser Geste auch etwas Tröstliches. Ein Trost, der den Widerwillen nicht aufhob, sondern sich mit ihm verbündete und sie in jene Pattstellung zwang, in der Richard seinen Willen und seine Absichten durchsetzte.
– Versuch zu schlafen.
Sie nickte, ohne ihn anzusehen. Er löste die Hand von ihrem Schenkel, langte über die Lehne seines Sitzes auf die Rückbank und holte seine Jacke hervor. Fürsorglich stopfte er sie ihr auf die Schulter, so dass sie wie ein Kissen zwischen ihrem Kopf und dem Seitenfenster steckte. Gloria klappte die Schöße ihres Mantels über die Knie und zog die Revers mit gekreuzten Armen vor ihrer Brust zusammen. Richard schaltete die Heizung eine Stufe höher und drehte die Musik zurück. Es war nicht das erste Mal, dass sie einen Ort, einen Abschnitt ihres Lebens, eine ausgedachte Identität hinter sich gelassen hatten. Und es würde nicht das letzte Mal sein. Die Abstände wurden kürzer. Aber welche Rolle spielte schon das Maß der Zeit? Es setzte einen mathematischen Anfangsund Endpunkt, aber es war kein Ort, um darin heimisch zu werden. Nicht für Richard, nicht für sie. Das dumpfe, monotone Dröhnen des Gebläses und der Gesang einer klaren, sehnsüchtigen Frauenstimme aus dem Autoradio hoben Gloria auf und trugen sie fort.

Als sie erwachte war der Morgen angebrochen. Hell und strahlend erstreckte sich die unbekannte Landschaft vor ihren Augen, braune Felder in Winterruhe, lose gestreute Waldgruppen, kleine Dörfer im Glanz einer kräftigen Morgensonne. Es war Februar und ein blitzendes Versprechen von Frühling lag in der Luft. Dennoch verspürte Gloria keinerlei Freude daran. Ihre Gedanken und Gefühle waren taub und benommen. Sie streckte den Rücken, strich sich über das Bein.
Richard beobachtete sie von der Seite.
– Geht es dir besser?
Sein Lächeln war warm und voll Anteilnahme. Aber seine Augen waren so kalt und frisch wie das Blau des Himmels. Gloria ließ sich in den Sitz zurückfallen.
– Irgendwann muss damit Schluss sein. Ich halte das nicht aus, es macht mich krank.
– Du hast immer noch Schmerzen, nicht wahr?
– Ja. Aber es sind nicht die Schmerzen, die mich krank machen.
– In ein paar Tagen sind wir weit von all dem fort. Dann ist auch alles vergessen. Wir suchen uns einen schönen Ort und fangen wieder neu an. Wir können tun und lassen, was wir wollen.
– Für wie lange? Und wozu? Es hat überhaupt keinen Grund gegeben, dass wir fort mussten.
– Es ist dir nicht gut gegangen.
– Mir ist es gut gegangen! Bis gestern am Abend ist es mir sehr gut gegangen!
– Gloria, du sollst dich nicht aufregen.
– Ich rege mich aber auf. Wieso sollte ich mich nicht aufregen?
– Nimm eine Tablette, das hilft.
Sie hasste dieses ruhige, besorgte, geduldige Gesicht, das er ihr entgegenhielt. Wie immer wenn er über Tabletten sprach.
– Gegen was? Gegen die Schmerzen? Die Angst? Den Rest der Welt?

Er zündete sich eine Zigarette an und schwieg. An der Art, wie er den Rauch tief in seine Lungen sog und in einem Schwall wieder ausstieß, erkannte sie, dass er verstimmt war. Das machte sie wütend auf ihn, noch wütender, als sie ohnehin schon war. Es war seine Schuld, dass sie jetzt im Auto saßen und wieder einmal Hals über Kopf alles aufgeben mussten. Aber es war ein schlechter Zeitpunkt, um zu streiten. Sie waren aufeinander angewiesen. Immer, und jetzt besonders.
– Tut mir Leid, sagte sie einlenkend, ich bin einfach nervös.
– Du bist erschöpft, du hast nicht genug geschlafen. Versöhnlich griff Richard den Faden auf, den sie ihm hinhielt.
– Wir brauchen Benzin. An der nächsten Tankstelle werden wir halten, und dann können wir dort frühstücken. Gloria hatte keinen Hunger, verspürte keinen Wunsch nach Essen. Sie war durstig, ihre Zunge klebte dick am Gaumen.
– Haben wir Wasser?
– Ich weiß nicht. Sieh nach.

Sie beugte sich vor und tastete mit der Hand über den kurzen Flor des Bodenbelags, fischte eine Plastikflasche mit Mineralwasser unter ihrem Sitz hervor. Sie trank in großen, hastigen Schlucken. Das Wasser schmeckte schal und alt, aber es löste den bitteren, klebrigen Belag in ihrem Mund, spülte ihn fort. Sie hielt Richard die Flasche hin.
– Möchtest du auch?
Er schüttelte den Kopf. Also kippte sie den Rest in ihren Mund, schraubte die Flasche zu und warf sie auf den Rücksitz. Für einen Augenblick fühlte sie sich besser. Als Richard die Zigarette im Aschenbecher ausdrückte, entdeckte sie einen feuerroten Striemen, der von der Wurzel des Daumens quer über seinen Handrücken lief.
– Du hast deine Hand verletzt, sagte sie.
– Ach, ist nicht der Rede wert.
– Eine Brandwunde, stellte sie fest.
– Nein. Ich habe mir die Hand eingeklemmt, als ich unsere Sachen in den Wagen gepackt habe.
Gloria glaubte kein Wort davon.

Sie hielten Ausschau nach einer Tankstelle. Die Landschaft war dünn besiedelt, ab und zu durchquerten sie Dörfer, deren Bewohner für sie unsichtbar blieben. Die Gegend war menschenscheu. Der einzige Gasthof, an dem sie vorbeikamen, war geschlossen. Die Straße zog sich in leichten Kurven über Wald und Wiesenhügel. Sie gehörte ihnen alleine. Aber nirgendwo eine Tankstelle, nur ab und zu ein einsam stehender Hof, eingebettet in die Eintönigkeit der Landschaft. Abweisend und verschlossen. Diese Höfe sahen unbewohnt aus. Der Zeiger der Benzinanzeige sank in den roten Bereich, das Warnlämpchen leuchtete bereits auf. Gloria wurde nervös. Ein dünner Film von Schweiß überzog ihre Haut. Der Stoff der Bluse klebte in ihren Achselhöhlen. Es blieben ihnen also noch fünfzehn, zwanzig Kilometer zu fahren. Und dann?
– Da!, sagte Richard.
Sie folgte mit ihrem Blick seinem Finger. Rechts von der Straße führte ein Weg durch das dürre Gestrüpp von Ästen zu einem Haus.
– Wir werden es hier versuchen. Sonst müssen wir zu Fuß weiter.

Richard bog von der Straße in den Weg ein, der nahtlos von einem Stück Wald in einen verwilderten Garten überging. Eine grünbraune, winterliche Wiese mit kahlen Bäumen und struppigem Buschwerk erstreckte sich bis zu einem alten Haus. Auf einer Teppichklopfstange an halbverrotteten Seilen eine alte Kinderschaukel. Unmittelbar vor dem Haus war ein rechteckiges Schwimmbecken mit wasserblau gestrichenen Wänden in die Erde eingelassen, darum herum lief, wie der Rahmen eines Bildes, ein zwei bis drei Meter breiter Betonweg. Das einzig Makellose an diesem Anwesen. Dem alten Landhaus waren deutlich Spuren von Verfall anzusehen. Der hellgraue Verputz der Fassade war rissig und an manchen Stellen abgeblättert, die Fensterrahmen wirkten verzogen und der Lack war gesprungen. Es war aber bewohnt. Zwei der Fenster im ersten Stock standen sperrangelweit offen. Der Kies knirschte unter den Rädern des Toyota. Richard stellte den Wagen ein paar Schritte vor dem Haus ab. Sie stiegen aus. Gloria streckte sich. Es war ungewöhnlich warm für einen Februartag. Die milde, frühlingshafte Luft legte sich wie Seide auf ihr Gesicht.

Richard klopfte an das Tor. Oben am linken Fenster erschien der Kopf eines halbwüchsigen Mädchens, ihr Haar war blond und fiel ihr ins Gesicht, als sie sich aus dem Fenster beugte und zu ihnen herabsah.
– Was gibt es, fragte sie unwirsch.
– Wir haben kein Benzin.
Das Mädchen verzog das Gesicht.
– Ja und? Was soll ich da machen?
Richard hatte den Kopf nach hinten geneigt und beschirmte mit der Hand seine Augen.
– Vielleicht kannst du uns sagen, wo wir Benzin bekommen können.
Er lächelte liebenswürdig und unverschämt.
– Nein, kann ich nicht.
– Kannst du vielleicht einen Augenblick herunterkommen?
Das Mädchen seufzte gereizt.
– Wenn es unbedingt sein muss.

Ihr Kopf verschwand aus dem Fensterausschnitt, kurz darauf stand sie in der Tür. Sie war vierzehn oder fünfzehn, das Haar reichte ihr bis zur Schulter. Sie trug Shorts und einen kurzen, beigen Baumwollpullover, der zweifingerbreit ihren nackten Bauch freigab. Oberhalb ihres Nabels steckte eine kleine silberne Kugel. Sie musterte Gloria und Richard unverhohlen und ohne Sympathie.
– Was wollt ihr?
– Sind deine Eltern zu Hause?
– Nein, nur der Kleine und ich.
– Wir brauchen Benzin. Gibt es hier in der Nähe eine Tankstelle?
– Glaube ich nicht. Es ist mir jedenfalls noch nicht aufgefallen.
– Habt ihr vielleicht welches im Haus?
– Benzin? Wozu sollten wir Benzin im Haus haben?
– Oder weißt du, wo wir welches bekommen könnten?
– Keine Ahnung.

Sie lehnte mit verschränkten Armen im Türrahmen und zuckte ungeduldig mit den Schultern.
– Wie weit ist es zum nächsten Nachbarn?
– Wir haben keine Nachbarn.

– Hör zu, das Problem ist, dass unser Tank so gut wie leer ist. Und ohne Benzin können wir nicht weiterfahren. Wir brauchen eure Hilfe. Wir sitzen hier sozusagen fest.
Dieser Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie verdrehte die Augen. Richard und Gloria hier im Haus zu haben, war offenbar das letzte, was ihr noch gefehlt hatte.
– Na ja. Vielleicht kann euch mein Bruder weiterhelfen, der weiß in solchen Sachen eher Bescheid. Aber er schläft noch. Wenn ihr wollt, könnt ihr ja auf ihn warten. Da hinten im Schuppen sind Gartenstühle.
Sie trat einen Schritt aus der Tür und deutete nach rechts.

Buchinfos

GARTEN DER GESCHWISTER von Patricia Brooks

Roman / Preis: 3,99 Euro (95 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845008134

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Autoreninfo & Blog

PATRICIA BROOKS

Patricia Brooks, geb. 22.11.1957 in Wien Mitglied der Grazer Autorenversammlung (GAV). Annerkennungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich 1997. Theodor-Körner-Förderungspreis 1997 Hans Weigel-Literaturstipendium 2000/2001 Staatstipendium für Literatur 2005/2006 Dramatikerstipendium 2008 Projektstipendium für Literatur des BMUKK 2009/10

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Kimberly – 4,99 Euro

Eine Cyber-Road-Music-Story
Kimberly wird als Findelkind von Althippie Dirty Daddy gefunden und aufgezogen. Als Kimberly in die Pubertät kommt wird ihr Ziehvater brutalst ermordet. Kimberly muss zunächst ins Kloster und kämpft sich anschließend durch die Wirrungen des Lebens. Bis sie dort landet, wo sie eigentlich schon immer hin wollte. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders, und Kimberly war nur ein Bonustrack auf einer Spiele-Software, die ein gewisser Itzo erfunden hat.

„Dieser Roman ist lustvoll umgesetzte und gekonnte Trashliteratur, die mit Versatzstücken und Klischees locker jongliert, zugleich aber erstaunlich sympathisch mit ihren Figuren umgeht. Sozusagen mit einem Herz für Retro, Blues und Rock`n Roll, für Hippies und das unaufgeregte Leben, mit guter Musik und netten Leuten um sich. Beziehungen und Sex kommen durch die Bank ohne Cyber-Klischees aus. Und en passant wird die Musikgeschichte von Hendrix bis Punk und Maschinenmusik abgehandelt. Ein interessanter Mix: Cyberspace mit Bodenhaftung.“ (Karin Cerny, Literaturhaus Wien)

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Der Mörder und sein Bischof

Von Thomas Pfanner: Die katholische Kirche ist eines der finanzstärksten Unternehmen der Welt. Gleichzeitig blühen unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Intrigen, Korruption und schmutzige Geldgeschäfte. Ein Mann hat besonders unter den Machenschaften der Kirche zu leiden, beinahe geht er daran zugrunde, dass sie ihm alles genommen hat, was man einem Menschen nehmen kann. Einzig der Hass hält diesen Menschen am Leben und verleiht ihm ungeahnte Kräfte. So lässt er die Kirche bluten, Attentat folgt auf Attentat; ewig laufen die Ermittler Katja Preuß und ihr Kollege Joya zu spät am Tatort auf. Während die Einschläge näher kommen – Richtung Kölner Dom – ahnt niemand, dass dabei das Hauptziel fortwährend verfehlt wird. Ein letzter Anschlag soll endlich den Erfolg bringen…

LESEPROBE

Zum ersten Mal seit Tagen blickte er aus dem Fenster, eigentlich teilnahmslos, nur um sich zu beschäftigen. Wetter interessierte ihn nicht, Wetter war eine Angelegenheit für Menschen mit Zukunft. Draußen schien die Sonne und auch hier drinnen bemerkte er nun, da er darauf achtete, eine drückende Schwüle. Er sah dem Treiben auf der Straße zu, sah sich die spärlich bekleideten Menschen an, die schwitzend, aber eilig, irgendwelchen Geschäften nachgingen. Er hasste sie alle, er hasste sie für ihre Fröhlichkeit, er hasste sie für die Unbekümmertheit, mit der sie ihre Mitmenschen abdrängten, behinderten, ignorierten, gefährdeten. Er hasste den Autofahrer, der beinahe eine Frau auf dem Zebrastreifen überfuhr, er hasste ihn dafür, sich auch noch über die Frau aufzuregen; er hasste die Frau, weil sie sich nicht wehrte, sondern wegging. Solche Szenen spielten sich pausenlos dutzendfach ab, es widerte ihn an. Und doch konnte er es nicht lassen, ab und an hinzusehen.

Er rekelte sich, bewegte etwas die müden Knochen, nahm aus seinem Rucksack einen der drei restlichen Marmorkuchen und setzte sich wieder vor den Bildschirm, eine Scheibe nach der anderen achtlos in sich hineinschiebend, halb kauend, halb lutschend. Er brauchte das jetzt, sich mit etwas zu beschäftigen, während der Computer ihn warten ließ. Die entscheidende Phase lief, auf drei der vier Fenster, in die er die Bildschirmanzeige aufgeteilt hatte, leuchteten Hinweis-Meldungen, dass der Vorgang gerade bearbeitet würde, im vierten Fenster tat sich nichts, und solange das so blieb, musste er sich keine Sorgen machen. Obwohl diese Bearbeitung der Vorgänge nur wenige Minuten andauerte, empfand er die Warterei als quälende Ewigkeit. Natürlich hatte er alles gut vorbereitet, natürlich konnte nach menschlichem Ermessen nichts schief gehen, doch gerade die mutmaßliche Leichtigkeit beunruhigte ihn, denn nach menschlichem Ermessen ging immer irgendetwas schief. Seine Unwissenheit darüber, was genau schief gehen mochte, trug wesentlich zu seinem unwirklichen Zeitgefühl bei.

Dann geschah es. Alle drei Bearbeitungsvorgänge endeten fast gleichzeitig und dokumentierten dies mit einer entsprechenden Meldung. Er verlor keine Zeit, unverzüglich beauftragte er ein paar Transportfirmen und machte sich anschließend daran, alle Brücken abzubrechen. Als alles erledigt war, schaltete er den Computer aus, demontierte ihn und trug die Einzelteile ins Untergeschoss, wo er alles in seinem Transporter verstaute. Die nächsten zwei Stunden verbrachte er mit Essen und Entspannen, bis der Magen schmerzte. Andere Signale aus der Wirklichkeit nahm er nicht wahr, er achtete nie auf das, was er aß; wurde ihm schlecht, hörte er auf, so einfach ging das.

Pünktlich begab er sich ins Erdgeschoss, um rechtzeitig die verschiedenen Lieferungen entgegenzunehmen. Nacheinander trafen drei Fahrzeuge ein, Männer stiegen aus und luden ihre Fracht in der Schleuse ab. Die sechs großen Aluminium-Koffer brachte er ebenfalls in seinem Wagen unter, entnahm dem Innenraum einen grünen Overall, zog ihn an, setzte sich hinter das Steuer und verließ die Garage des Gebäudes. Draußen hielt er an, verschloss sehr sorgfältig das Tor, kletterte wieder in den Wagen und fuhr ohne einen Blick zurück weg.

Die große, nicht übermäßig schlanke Frau betrat das General-Vikariat mit langen, festen Schritten in der Gewissheit, dass die Blicke der versammelten Männer ihr nicht nur wegen des lauten Halls ihrer knöchelhohen Stiefel folgten. Seit ihrer letzten Strafversetzung hatte sie sich angewöhnt, ihre Formen mit entsprechender Kleidung einigermaßen provokant in Szene zu setzen. Sie genoss es, eine Frau zu sein, die den Blick eines Mannes, auch eines vorgesetzten Mannes, kühl und geradeheraus erwidern konnte, die den Rücken nicht krumm machte, weder tatsächlich noch im übertragenen Sinn. Sie machte den Männern gern Probleme. Wenn sie aber zudem noch ihre Fraulichkeit hervorkehrte, dann konnte es passieren, dass die Männer dem Blick der Frau nicht mehr standhalten konnten und auf andere Teile ihres Körpers abglitten. Auf diese Weise gewann sie das Augenduell, deshalb fürchtete man sie, und auch deshalb würde sie nie wieder in ihrem Leben befördert werden.

Aufrecht und kühlen Blickes marschierte sie durch die große Vorhalle direkt zu dem imposanten Empfang, hinter dem sich zwei Priester in schwarzem Outfit leise unterhielten. Nicht unfreundlich fragte sie die beiden:
»Wo finde ich das Büro des General-Vikars?«, wobei sie den Grund für das Flüstern erkannte, denn ihre feste Stimme hallte von der Decke wider. Beide Angesprochenen deuteten zum Fahrstuhl, einer gab mit belegter Stimme »Zweiter Stock« zurück; dann schauten auch diese beiden nur noch hinter ihr her.

Als sie im zweiten Stock aus dem Aufzug trat, ließ sie einen langen Augenblick das Chaos auf sich wirken. Ein großer Raum tat sich vor ihr auf, den zahlreichen Arbeitsplätzen nach zu urteilen, das Sekretariat eines wichtigen Menschen. Vielleicht zwanzig Personen führten etwa fünfzehn Gespräche, Polizisten, Kripo-Leute, Angestellte des Vikariats, Priester und noch ein paar Leute, die sie nicht sofort einordnen konnte. Als sie in dem Gewühl ihren Partner entdeckte, setzte sie sich in seine Richtung in Bewegung.
»Na, Schönste, auch die Arschkarte gezogen?«, begrüßte er sie freundschaftlich.
»Natürlich, wir sitzen doch immer gemeinsam in der Tinte. Was haben wir denn hier, Daniel?«
Sie verschränkte die Arme unter ihrer Brust und blickte ihren Partner halb wachsam und halb freundschaftlich an.
»Du hast es noch nicht gehört, hm? Diesmal keine Psychopathen-Kiste, eher hohe Schule des organisierten Verbrechens. So eine Art perfektes Verbrechen. Genau die Sorte publicityträchtiger Pleite, um die unsere Karriere-Bullen einen großen Bogen machen.«

In Erwartung der unvermeidlich auf sie zukommenden schlechten Nachricht seufzte sie und stemmte die Hände in die Hüften. »Aha. Schon bin ich misstrauisch. Könnte ich es einen Tick konkreter haben?«

Daniel Joya, ein kräftiger, gedrungener Mann spanischer Abstammung, der gelegentlich darunter litt, einen halben Kopf kleiner als seine Kollegin zu sein, blinzelte zu ihr hinauf.
»Klar doch, das hier ist Herr Bauchmüller.« Er zeigte auf einen blassen schmalen Menschen mit ungesunder Gesichtsfarbe, mit dem ihr Kollege bei ihrem Eintreffen gesprochen hatte.
»Herr Bauchmüller ist der Rendant hier, so eine Art oberster Kassenwart. Erzählen Sie doch meiner Kollegin, was Sie mir eben erzählt haben.«
Bauchmüller sah ihr mit flackerndem Blick in die Augen, senkte die Lider aber unverzüglich und sprach zu ihrem Bauch. »Wir, nun, wir haben vor zwei Jahren das Online-Banking eingeführt, alle Gelder zwischen den verschiedenen uns angeschlossenen Einrichtungen und Trägern und uns werden über Internet bewegt. Und, nun, und nun sind uns etwa siebeneinhalb Millionen Euro abhandengekommen.«

Sie starrte auf den Scheitel des Stotterers mit milder Verachtung herab und fragte sich, was sie wohl damit zu tun haben sollte. Solche Geschichten gehörten tatsächlich nicht zu ihrem Bereich.

»Aha, und?«
»Nun, es ist nicht wieder aufgetaucht. Jemand hat es. Jemand, den wir nicht kennen.«
Sie verlor die Geduld.
»Also. Ihr Geld ist verschwunden, es ist nicht wieder aufgetaucht und nun ist Ihnen auch klar, dass es weg ist. Außerdem ahnen Sie, dass es sich nicht in Luft aufgelöst haben kann, weshalb Sie denken, jemand anderer muss sich in den Besitz des Geldes gebracht haben. Ich erschauere vor so viel Spürsinn. Joya, kannst du mir die Dinge vielleicht einleuchtend erklären?«
Ihr Kollege räusperte sich. »Denke schon. Fakt ist, dass insgesamt drei Überweisungen gelaufen sind, aus denen sich dieser Raub zusammensetzt, jeweils 2,49 Millionen Euro, alle drei von der Hausbank dieser Spezialisten«, er blickte abfällig zu dem Mann neben ihm, der immer noch ihren Bauch anstarrte, »jeweils an die gleiche Bank, wenn auch auf drei verschiedene Konten. Die Konten lauteten auf drei Bistümer in Afrika, mit denen die Hiesigen öfter Geschäfte abwickeln. Der Haken ist, dass keines dieser drei Bistümer ein Konto bei dieser Bank unterhält. Die Bistümer haben das Geld mithin auch nicht erhalten.«
Katja Preuß schüttelte den Kopf und rieb sich die etwas zu große Nase. Bauchmüller wagte einen undefinierbaren Blick auf ihre langen Finger. Sie antwortete mit einem aggressiven Stirnrunzeln und beschloss, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.
»Na bravo. Bei der Gelegenheit, wie sind diese Geistesriesen eigentlich dahintergekommen?«
»Die sind wirklich lustig, Katja, die haben erst gedacht, einer dieser Bischöfe hätte das ganze Geld geklemmt, gibt es nur nicht zu. Haben echt lange und kompliziert ihre eigenen Leute verdächtigt und ausgeforscht, bis sie endlich geglaubt haben, dass jemand anderer es getan hat. Ich denke, die hegen ein gesundes Misstrauen gegen ihre schwarzen Glaubensbrüder. Jedenfalls mehr als gegen ihre weiße Technik. Nun ist es ihnen aber doch klar, dass die Kohle nicht in Afrika steckt, sondern richtig weg ist, ohne Wenn und Aber.« Katja fixierte Bauchmüller, während sie noch nicht ganz begriff, wo das Problem war.
»Aha, dann gibt es also keinen Adressaten, das Geld ist aber noch da, oder?«
Joya lächelte, es erfreute ihn immer wieder, Frauen über die Tücken der Technik aufzuklären. »Nicht direkt. Das Geld wurde abgeholt, die Konten gelöscht.«
Sie machte ein Gesicht wie zehn Tage Regenwetter. Um was ging es denn eigentlich hier? »Ich bin begeistert. Dann wissen wir doch, wer das Geld abgeholt hat. Überhaupt, wo ist das Problem? Irgendwer muss doch so ein Konto eröffnen, mit Ausweis und Gesichtskontrolle. Es muss doch jemanden geben, der gefunden werden kann.«
»Ach, Katja, wir haben doch schon Erfahrung mit diesen Dingen. Das ist wieder so eine typische Internet-Sache. Irgendwer gibt vor, irgendjemand anderer zu sein, den man schon kennt, eröffnet ein Konto, schickt online eine Unterschrift, bucht eine Weile wild herum und verschwindet dann wieder, ohne jemals die Bank wirklich betreten zu haben.«

Sie schaute ihn an, wie eine Mutter ihren Sohn anschaut, wenn er mit zerrissenen Hosen erscheint. »Joya. Dieser Internet-Wahn ist ja gut und schön, aber irgendeine Socke in so einer Bank muss sich doch Gedanken machen, wenn einer ein Konto aufmacht, ein paar Millionen verschiebt und dann auf einmal weg ist.«

Er grinste sie an. Nun erhielt er die Gelegenheit, das System als Ganzes zu kritisieren. »Ja sicher, aber nur wohlig warme Gedanken. Die verdienen doch daran, im Kern ist es denen egal, wer da was macht, Hauptsache, er bezahlt Gebühren und hält die Bilanz-Summe hoch. Die machen sich wesentlich mehr Gedanken über arme Schlucker, die ihr Konto um hundert Euro überziehen.«
»Ist ja lustig, nur: Du hast doch gesagt, dass der angebliche Inhaber ein afrikanisches, oder nein, mehrere afrikanische Bistümer wären. Fragt da nicht mal jemand nach? Ich meine, als die Transaktion anstand.«
»Doch, die haben sich rückversichert, hier im Vikariat allerdings, sozusagen bei sich selbst. Deshalb haben diese Trolle hier auch die ganze Zeit an einen korrupten Afrikaner gedacht. Ist schon ein Ding, diese Priester-Großköpfe haben alle Internet-Anschluss, aber telefonisch sind die partout nicht zu erreichen. Wahrscheinlich nur eine Steckdose, entweder-oder, nun ja.«

Katja funkelte den Buchhalter an, der ihr immer noch nicht in die Augen sehen konnte. »Und was ist mit Ihnen, Bauchmüller, Sie sind doch bestimmt der Ansprechpartner für solche Dinge? Sonst würden Sie nicht so aussehen, als hätte man Sie geprügelt. Die Bank hat also bei Ihnen nachgefragt. Was haben die gefragt und was haben Sie darauf geantwortet?«
Bauchmüller wand sich sichtlich. »Na ja, die haben gefragt, ob es diese Bistümer wirklich gibt, ob wir finanzielle Beziehungen zu denen haben und ob die solvent sind.«
»Siehste?«
Joya klatschte in die Hände. Er liebte es, seine schlimmsten Ahnungen bestätigt zu sehen. Sie ließ sich nicht ablenken.
»Und? Was haben Sie geantwortet?«
»Dass alles seine Richtigkeit hat.«

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Buchinfos

DER MÖRDER UND SEIN BISCHOF von Thomas Pfanner

Krimi / Preis: 4,99 Euro (180 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (Satzweiss.com-Chichili)-Verlag – ISBN: 9783845009636

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THOMAS PFANNER

Thomas Pfanner (* 9. Januar 1960 in Mágocs, Ungarn) ist ein deutscher Schriftsteller. Er studierte Geologie, machte eine Ausbildung als Altenpfleger und arbeitete mehr als fünfzehn Jahre in verschiedenen katholischen Einrichtungen als Pflegedienstleiter, später auch als Heimleiter. Aktuell ist er als Gutachter im Gesundheitswesen tätig. Neben wenigen Kriminalromanen und Kurzgeschichten unter eigenem Namen schreibt er hauptsächlich Romane als Ghostwriter, auch hier vorwiegend Kriminalromane, daneben auch Erlebnisberichte und Science Fiction. 2001 veröffentlichte Pfanner seinen ersten Roman. Ihm folgten weitere Kriminalromane. Themen seiner Romane sind meistens Verschwörungstheorien, in aller Regel in der Form eines Kirchenkrimis. Seinen Schreibstil kennzeichnen eine dem Roadmovie entlehnte Dramaturgie, häufige Action-Szenen und eine stets überraschende Auflösung des Plots. Seit einigen Jahren ist er auch als Ghostwriter und unter Pseudonym tätig. Heute lebt und arbeitet er in Bonn.

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Die letzte ihrer Art – 4,99 Euro

Katja Preuß -  die in einer Männerwelt resolut agierende  Ex-Polizistin aus den Psychothrillern „Solo für Gomorrha“ und „Der Mörder und sein Bischof“  desselben Autors –  arbeitet mittlerweile als Privatdetektivin. Sie wird beauftragt, ein 15-jähriges Mädchen zu suchen. Fündig wird die Ermittlerin In einem Internat,  in dem die Waise unter anderem Namen lebt. Obwohl der Auftraggeber die Mission seltsam überhastet für erfüllt erklärt, recherchiert Katja  Preuß weiter, ist sie doch mittlerweile einem ominösen Geheimnis auf der Spur, das den seltsamen Teenager umgibt.

Bald fühlen sich mächtige Gruppierungen auf den Plan gerufen, die Katja Preuß  behindern und bedrohen; denn jenes Geheimnis zu lüften, würde einen Skandal nach sich ziehen, dem kein Geschichtsbuch standhielte .

Fesches Kätzchen sucht liebestollen Kater

Von Parker & Parker: Wenn beste Freunde sich untereinander verkuppeln wollen, kann das zu einem unheimlichen Verwirrspiel führen: Cathrin will Melissa und Tobi will Mathias verkuppeln, das ganze umgekehrt und kreuz und quer. Es kommt, wie es kommen muss, man läuft sich zwar permanent über den Weg, jedoch enden alle Bemühungen in Missverständnissen und im Gefühlschaos. Werden die beiden richtigen Pärchen zueinander finden und gibt es ein Happy End? Oder zerbrechen gar die Freundschaften und alle gehen am Ende ihre eigenen Wege…  Lesen Sie diesen rasanten Roman aus unserer MIDI-BOOK-ROMANCES-Reihe: MIDI-BOOKS sind Romane in Spielfilmlänge, extra geschrieben für Leser, die nach einem stressigen Arbeitsalltag abends in 2 bis max. 3 Stunden einen Roman zu Ende lesen und dabei gut unterhalten sein wollen.

LESEPROBE

Mathias hörte eine leise Stimme. Sie war so lieblich, fast überirdisch schön und drang immer vernehmlicher zu seinen Ohren. Worte, so liebreizend geflüstert und angenehm, dass er sich nicht wagte, seine Augen zu öffnen, um sich der Imagination hinzugeben, wie wunderschön diese Frau sein musste, die solch eine Melodie in ihrer Stimme hatte

Er bekam Gänsehaut. In seinem Magen begann es zu kribbeln. Ihren Atem konnte er bereits auf seiner Haut spüren. Sein Körper reagierte, wie er bei einem Mann in solche einer Situation zu reagieren hatte. Ehe er einen Gedanken daran verschwenden konnte, saß sie offenbar bereits auf ihm. Genauer gesagt auf seinem besten Stück und begann sich auf und ab zu bewegen. Erst langsam, dann zunehmend heftiger. Mathias entschied sich, die Augen geschlossen zu halten. So einen guten Traum zu beenden, käme einer Todsünde gleich.

Irgendetwas jedoch, begann ihn zu irritieren. Das Gewicht seiner holden Traumerscheinung nahm immer mehr zu, denn seine Oberschenkel begannen mit jeder Abwärtsbewegung ihrerseits zu schmerzen. Schon bald fühlte er sich wie unter einem Presslufthammer und das wohltuende Gefühl von eben wechselte zu unangenehm erdrückend. Er konnte nicht anders, er musste die Augen öffnen. Das hätte Matthias besser bleiben lassen.
Denn was er vor sich sah, passte so überhaupt nicht zu dem, was er sich einige Minuten zuvor noch ausgemalt hatte. Sie schien real und sie war dick. Nein, sie war richtig fett. Er wollte schreien, doch sie presste ihre kräftigen Finger auf seinen Mund, dass es ihm beinahe den Atem raubte. Ihre Zöpfe wippten auf und ab. Und sie sah wie ein überdimensionales Schulmädchen aus. Aus dem Augenwinkel konnte er ihre Brüste sehen, die aus einer viel zu eng zusammengeknoteten, weißen Bluse hervorquollen. Ein halbes Stockwerk tiefer bahnte sich eine Speckrolle zwischen kariertem Minirock und besagter Bluse den Weg. In der anderen Hand ein Lolli, an dem sie lasziv leckte, bevor sie ihm diesen tief in seinen Rachen schob, dass er sich fast übergeben musste. Sein bestes Stück wurde augenblicklich schlaff und Matthias versuchte sich aus der Umklammerung ihrer beider Schenkel zu befreien. Doch das war schier unmöglich. Er muss gestern Abend total besoffen gewesen sein, wurde ihm bewusst.
Sie versuchte, ihn erneut zu animieren, interpretierte seine Befreiungsversuche als ekstatisches Zucken. Doch sie war noch lange nicht so weit und ließ nicht locker. Ihre Hand war so groß, dass sein Glied komplett darin verschwand. Bei einer anderen Frau, wäre solch eine Hand mehr als anregend, dachte er für einen kurzen Moment Doch der Anblick dieses fleischgewordenen Albtraums konnte ihn beim besten Willen nicht stimulieren. Vielleicht half es ja, die Augen wieder zu schließen und an jemand anderes zu denken.
Mathias tat genau das, da ließ auch augenblicklich das Gewicht nach und ein wohlgeformter Mund machte sich an ihm zu schaffen. Das Bild dieser zentnerschweren Frau hatte sich allerdings so in sein Gehirn gebrannt, dass es sich immer wieder in den Vordergrund schob. Schreiend riss er seine Augen auf. Und sie war weg. Mit den Händen tastete er seine Umgebung ab. Er war allein. Matthias sprang aus dem Bett, rannte durch alle Zimmer, landete schlussendlich im Bad. Welch ein Glück. Alles nur ein Traum. Mathias schüttelte es heftig. Die Realität konnte manchmal um einiges besser als jeder Traum sein. Auch wenn sein Bad gerade wegen Renovierungsarbeiten eher einer Baustelle als einem Wellnesstempel glich. Wenn er den Versprechungen der Handwerker Glauben schenkte, sollte in ein paar Wochen alles gemacht sein. Bis dahin wollte er eine Frau gefunden haben, er war mehr als bereit für eine feste Bindung. Sein bester Freund und Arbeitskollege Tobi würde ihm jetzt garantiert zu einer Frau wie die aus seinem Albtraum raten. Freunde konnten ja so nett sein.

Mathias hielt sein Gesicht unter den Wasserhahn. Das Wasser war eiskalt. Der Durchlauferhitzer war noch nicht installiert. Doch nach so einem Traum kam das gerade recht. Schlecht gelaunt nahm er sich ein Bier aus dem Kühlschrank und setzte sich vor den Fernseher. Schlafen konnte er jetzt eh nicht mehr. Das Bier stellte er auf den Tisch und zappte sich durch die Sender. Nachts war das Programm noch schlechter als am Tag.
So schaltete er sich von Kanal zu Kanal. Blieb mal hier und da hängen. So ging das den Rest der Nacht. Zu gerne wäre er sofort wieder eingeschlafen. Aber nochmal der gleiche Albtraum… nein und nochmals nein! Als er dann endlich wieder müde wurde, war es schon zu spät. In einer halben Stunde müsste er regulär aufstehen und zur Arbeit gehen.

Gerädert und mit dunklen Augenringen erschien Mathias an diesem Morgen im Büro.
„Da hat dich heute Nacht wohl jemand nicht zur Ruhe kommen lassen, was?“, wurde er von Tobi, seinem besten Freund, begrüßt.
„Hör bloß auf damit“, winkte Mathias ab.
„Und heute Morgen konnte sie dann auch nicht ihre Finger von dir lassen!“ Tobi klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Mathias Augen hätten Blitze versprüht, wenn sie dazu noch in der Lage gewesen wären. Doch zu mehr als einem Augenkneifen reichte es nicht.
„Was jetzt? Erklär mir jetzt bloß nicht, ihr hättet nur Filme geschaut oder Karten gespielt.“
„Ach, wenn es das gewesen wäre…“, Mathias begann seinem Freund in kurzen Sätzen von dem Albtraum zu erzählen. Tobi amüsierte sich mit jedem Satz zunehmend.
„Dass du aber auch nie genug bekommen kannst!“, merkte Tobi süffisant an.
„Hahaha. Mach dich nur lustig.“
„Und du bist dir sicher, dass sie nicht doch real war?“, bohrte Tobi ungeachtet weiter.
„Quatsch, Mann!“, Mathias reagierte total genervt.
„Nix Quatsch. Pass auf, ich erklär dir das jetzt mal. Du hattest doch gestern ein Blind Date. Du hast die Dame wegen ihrer körperlichen Unzulänglichkeiten abgelehnt. Und dein schlechtes Gewissen hatte Sex mit ihr. So ist das! Ganz einfach…“
„Hast du schlechtes Gras geraucht? Das hat mit der Tussi überhaupt nichts zu tun. Ich habe direkt ihre Nummer gelöscht. Geht das in deinen Schrumpfkopf hinein?“
„Ist ja schon gut. Ich hab`s ja verstanden. Du bist trotzdem oberflächlich.“
„Ich bin ein Mann. Mit Oberflächlichkeit wurde ich reich gesegnet.“
„Aber Gewicht kann man verlieren.“
„Sie war nicht fett. Sie war optisch eben nicht der Burner. Da saufe ich mir die Weiber lieber schön, als mit einer total operierten Mumie aufzuwachen.“
„Ich dachte, du magst große Möpse!“
„Die Damen meiner Wahl sind naturschön!“
Tobi ging vor Lachen fast zu Boden.
„Ja genau, am Busen der Natur mit so einem Meeresbusen“, Tobi deutete mit seinen Händen das wohlgemeinte Volumen an, „Du lebst doch im Mittelalter. Nix gegen deine Vorlieben, aber du brauchst dringend mal eine richtige Frau, eine für immer, fürs Herz.“
„Brauch ich nicht. Was will ich denn mit einer festen Beziehung? Quartalssex, und die restlichen Tage steht sie in der Küche? Und permanent untervögelt durch die Gegend laufen?“
„Das weiß ich auch, bin ja nicht vom Mond.“
„Könnte man aber fast meinen, dass du von einem anderen Planeten kommst.“
„Okay, du hast Recht und ich meine Ruhe.“ Tobi hielt ihm die Tageszeitung mit der von Matthias fett umkringelten Annonce hin. „Und warum hebst du dann die Zeitung auf? Bist du jetzt ein Messie geworden?“
„Und wenn schon.“
„Aber so findet man doch keine Frau. Auch nicht für den Rest seines Lebens“
„Ich rufe die garantiert nicht mehr an, wenn du das meinst. Du kannst sie gerne haben, sie scheint noch frei zu sein, wenn sie gestern Abend nicht fündig geworden ist.“
„Ich bin doch gar nicht auf der Suche.“
„Ja und? Das interessiert mich aber nicht!“
Mathias hielt sich die Ohren zu.
„Hab´ schon verstanden. Mach´ doch deinen Scheiß allein.“ Tobi zog beleidigt ab.
Die Zeitung fische ich nachher aus dem Müll und schicke ihr eine SMS. Muss ich halt seinem Glück etwas nachhelfen, dachte sich Tobi.

Melissa wachte mit einem Brummschädel auf. Sie sah in den Spiegel, gut ihr Haar war etwas durcheinander geraten, aber ansonsten war sie eine adrette Erscheinung. Was konnte sie denn für ihr gutes Aussehen? Immer wurde sie nur von diesen Möchtegern-Machos angesprochen, die sie nur ins Bett zerren wollten. Warum traute sich nicht mal ein halbwegs ansehnlicher Mann, sie anzusprechen. Ständig diese verhaltenen Blicke, aber das war es auch schon. Die Typen waren doch alle gleich. Kam sie etwa arrogant rüber? Sie zog eine Schnute. Du bist weder arrogant, noch zickig. Die Männer sind einfach nur dämlich, das ist alles. Doch ein Restzweifel blieb. Sie streckte sich selbst die Zunge heraus und lief ins Badezimmer. Eine Dusche würde schon alles richten.

Melissa sah auf die Uhr. Kurz nach acht. Sie musste erst um zehn Uhr auf der Arbeit sein. Sie beschloss, sich mal wieder ein ausgiebiges Frühstück zu gönnen. Cathrin war sofort von der Idee begeistert und so wollten sie sich in dem neuen Café treffen, das vor ein paar Wochen neu eröffnet hatte. Ihre Arbeitskollegen, die schon einmal dort waren, waren allesamt begeistert gewesen. Ein Grund mehr, dort auch mal die Nase hineinzustecken. Es hieß „Break“. Zwar nicht gerade der originellste Name, aber es passte halbwegs.

Natürlich war das Café mehr als überladen. Melissa und Cathrin mussten eine Viertelstunde auf einen freien Tisch warten. Dank Gleitzeit war das kein Problem. Auf ihr Frühstück mussten sie genauso lang warten. Dann würde es heute halt doch etwas später werden.
„Erzähl mal, wie lief es denn eigentlich gestern? Wirst du dich mit deinem Blind Date nochmal treffen?“, fragte Cathrin neugierig.
„Sollte ich? Er ist doch gar nicht aufgetaucht.“
„Vielleicht ist ihm was dazwischengekommen.“
„Wir leben in einem Zeitalter, wo jeder halbwegs zivilisierte Affe ein Handy hat, dass man benutzen kann. Noch Fragen?“
„Vielleicht konnte er nicht telefonieren!“
„Vielleicht hat er sich ja die Hände beim Holzhacken abgetrennt. Es interessiert mich nicht die Bohne. Und wenn er dabei verblutet ist, umso besser. Dann kann er auch keinen mehr versetzen.“

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Buchinfos
FESCHES KÄTZCHEN SUCHT LIEBES-
TOLLEN KATER von Parker & Parker

Roman / Preis: 1,99 Euro (110 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845010991

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PARKER & PARKER

Parker und Parker steht als Synonym für ein Autorenduo, das exklusiv für die MIDI BOOK REIHE des Verlagslabels 110th schreibt. Beide haben unter ihrem realen Namen bereits einige Titel im deutschsprachigen Raum veröffentlicht unter denen auch der ein oder andere E-Book-Bestseller zu finden war. Aus berechtigtem Interesse möchten beide Autoren anonym bleiben.

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Julian, der von allen wegen seines südländischen Aussehens nur Julio genannt wird, kellnert auf Partys für einen Catering-Service, obwohl er das nicht müsste, doch er hat sich mit seinen vermögenden Eltern zerstritten. Auf einer Silvesterparty lernt er Romea kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Das Problem: Ihre Familie gehört zu den oberen Zehntausend und sie ist bereits standesgemäß, wenn auch unglücklich, verlobt. Julian lässt nicht locker. Doch hat er eine Chance bei ihr? Wird sie seine Liebe erwidern? Und was wird passieren, wenn Romea herausfindet, aus welchem Elternhaus er wirklich kommt. Denn beide Familien können sich auf den Tod nicht ausstehen und sind seit Jahren verfeindet.