Töchter der Triaden – Thriller

Hef Buthe: Der junge Jurist Perkin ist Spross einer angesehenen Anwaltsfamilie in Singapur. Nach dem Unfalltod seines Vaters muss er dessen Kanzlei übernehmen und erfährt, mit welchem Klientel dieser reich wurde … eine mächtige Triade, die asiatische MAFIA. Zu spät für Perkin, um weitere Aufträge der „Ehrenwerten Gesellschaft“ abzulehnen. Diese beharrt darauf, dass Perkin die Zusammenarbeit so fortführt, wie es mit seinem Vater abgemacht war. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, werden zwei Morde konstruiert, die Perkin als Täter in der Öffentlichkeit darstellen. Perkin hat keine Chance, seine Unschuld zu beweisen. Auf der Fahrt zum Haftrichter wird er von einer anderen Triade entführt, was ihm die lokale Justiz als Flucht und Schuldeingeständnis auslegt… Es beginnt für ihn eine Odyssee in den Fängen zweier rivalisierender Triaden, die beide Perkin brauchen, um die Lizenzen für das Spielerparadies Macau zu bekommen.

LESEPROBE

Schön, dass Sie sie sich für die „Töchter der Triaden“ interessieren. Aber, ich muss Sie warnen. Bevor ich Sie mit meiner Geschichte enttäusche, sage ich Ihnen gleich, was Sie erwartet: Eine für Sie womöglich völlig fremde Welt der Superreichen, Mord, Korruption, Menschenhandel, Glücksspiel, Macht, Gier und … die chinesische Mafia, auch als Triaden bekannt.

Ach, kennen Sie alles aus dem Fernsehen? Ich glaube nicht. Ich bin einer aus dieser Welt. Na ja, wenigstens ein kleiner Mosaikstein im großen Spiel. Ich sage „bin“, weil ich noch lebe. Ist das ein Widerspruch? Für mich nicht. Man verlässt die ehrenwerte Gesellschaft der Triaden nur durch den Tod. Aber ich rede und schreibe darüber. Wie lange noch? Ich habe keine Ahnung. Wenn Sie nächstes Jahr kein Buch mehr von mir kaufen können, wissen Sie, was passiert ist.

Oh, ich bin unhöflich. Darf ich mich vorstellen? Perkin, Elmar. In Asien kommt der Familienname immer zuerst. Ich bin Erbe eines beachtlichen Vermögens meiner Eltern. Mein Vater war Chinese, meine Mutter deutsch-russischer Abstammung. Beide wurden im chinesischen Boxeraufstand 1900 durch meine Großeltern gezeugt, die ihrerseits nicht unterschiedlicher sein konnten. Aber das ist eine Geschichte für sich. Nehmen Sie es einfach so, wie ich es nehmen musste. Meine Eltern ließen mich mehrsprachig aufwachsen und schickten mich auf die besten Universitäten Europas, um Jura und Wirtschaftswissenschaft zu studieren.

Erst nach dem Tod meiner Eltern, der an sich schon ein seltsamer war und nie richtig aufgeklärt wurde, musste ich schnell lernen, womit mein Vater sein Geld gemacht hatte. Er war juristisch-wirtschaftlicher Berater einer Triade, die versucht gegen einen anderen Clan den wirtschaftlichen Bereich der jetzt sogenannten kleinen Tigerstaaten, Hongkong, Singapur, Malaysia und Indonesien zu verteidigen.

Ach ja, bevor ich etwas vergesse, ich habe außer dem Vermögen meines Vaters noch etwas geerbt … das Erbe heißt Lu Hong und ist weiblich. Aber nicht verwandt oder verschwägert mit mir. Sie kann einem ganz schön auf die Nerven gehen.

Was ist? Sie haben mich nicht zurückgelegt? Dann folgen Sie mir bitte in die Hölle. Aber auf eigene Gefahr … und führen Sie sich vor Augen, dass Sie nie mehr sehen, hören, fühlen und schmecken als ich. Sie als Leser, Leserin sind jetzt ich!

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„Perkin, du hast Besuch“, schreckte mich Lu aus meinen Gedanken, die weit draußen über dem in der Abendsonne glitzernden Meer schwebten. „Urlaubsreif“, war die einzige Erkenntnis, die sie daraus zogen. Ja, das war ich wirklich. So konnte das nicht weiter gehen. Lu gab sich als meine rechte Hand jede Mühe die Arbeit zu bewältigen. Es wurde auch ihr zu viel. Das war ihr deutlich anzusehen. Sie wurde immer magerer und ich durch meine berufsbedingten Reisen immer fetter. Ich will heute niemand mehr sehen. Mach du auch Schluss und kümmere dich um zwei zusätzliche Leute, die uns bei der Arbeit helfen können. So kann das nicht weiter gehen.“

Lu zog kurz die Schultern hoch und die Stirn in Falten. „Wenn du das mal endlich einsiehst? Ich habe zwei Studienkolleginnen, die brennend gerne für uns arbeiten würden …“, sie setzte sich auf die Kante meines Schreibtisches und rieb sich den linken Schenkel. „Aber den Mann habe ich schon zweimal abgewiesen. Er kennt dich und du kennst ihn. Ich weiß nicht, ob der sich das noch lange gefallen lässt. Er macht nicht den Eindruck, als verstünde er Spaß.“

„Wenn du deinen Studienkolleginnen vertraust, dann stell sie ein“, überging ich die unterschwellige Drohung mit dem möglichen Mandanten, von dem ich wusste, wer er war. Groß, hager, immer schwarz gekleidet mit einer Narbe im Gesicht, die nicht durch ein ausgerutschtes Rasiermesser kam. Der Monat stimmte, der Tag auch. 13.10. Sie hatten es mir vorausgesagt und hielten sich sklavisch an ihre Drohungen. „Und ja, frage mal bei Helen in Köln nach, wie weit sie mit dem Fall der Donnerflug ist. Kannst du mich nachher im Harry‘s auflesen? Sonst nehme ich ein Taxi.“

Lu schüttelte ihre braune Mähne und verkniff die Lippen. Warum diese bildhübsche Frau, mit der ich fast wie eine Schwester aufgewachsen war, keinen Mann fand? Lag es an ihrer Gehbehinderung, die ihr mein Vater im betrunkenen Zustand in Chinatown mit dem Auto beigebracht hatte? Oder lag es an ihrem verbissenen Willen und ihrer überlegenen Intelligenz allem Männlichen gegenüber? Oder war eines die Konsequenz des anderen? Ich war in zwanzig Jahren nicht dahinter gekommen, oder wollte es auch nicht. Lu war ein Bestandteil meines Lebens. So wie eine Schwester eben zur Familie gehört. Nur, woher sie wirklich kam, das wusste nur mein Vater, und der hatte niemals etwas über ihre Herkunft verlauten lassen. Und so hatte ich als Sohn auch nie gefragt. Lu hatte eine Wohnung im Haus. Aber meist nutzte sie diese nicht und tauchte nur zur Arbeit auf, um abends wieder zu verschwinden.

„Du weißt genau, wer dieser Mann ist. Warum kneifst du schon wieder. Empfange ihn und hör dir an, was er zu sagen hat. Du kannst nicht bei der ehrenwerten Gesellschaft der Grünen Drachen aussteigen, wie es dir passt. Dein Vermögen beruht schließlich darauf, dass deine Familie zu ihnen gehört.“
Ich reagierte nicht und sah in den Hafen hinunter.
Sie winkte wütend ab und hinkte aus dem Zimmer. „Dickschädel, verfluchter! Du bist wie dein Vater. Nein, will ich nicht, mache ich nicht, passt mir nicht. Es ist jetzt Zeit für den Club und basta. Bäh, sage ich jetzt auch einmal. Geh in deine beschissene Bar, in der sich genau solche Pfauen wie du Abend für Abend treffen, um sich noch größer zu machen, als sie jemals werden können. Sieh zu, wie du nach Hause kommst. Ich habe noch etwas vor. Und denk dran, du hast um 20.00 Uhr Gäste. Wenn du zu spät kommst, erschlägt dich Ti Wu mit der dicksten Pfanne, die sie findet … und Helen wird ihr dabei noch Beifall klatschen, wie ich sie kenne.“

Das saß und verletzte, obwohl sie mal wieder nicht ganz unrecht hatte. Aber ich musste aus diesem Kreislauf von Pflicht gegenüber einer Triade, nach dem Recht eine ungesetzmäßige Interessengruppe, herauskommen. Mit Lu und Helen in Köln hatte ich mir eine weniger gefährliche Klientel aufgebaut, dessen Interessen ich als Einheimischer mit gutem Namen vertrat. Das war nicht ganz so einträglich, reichte aber um meinen Standard zu halten. Aber die Taipane der Triaden, diese Giftnattern, vergaßen nicht. Sie ließen mich nur in Ruhe, wenn ich so devot wie mein Vater wurde. Und genau das war ich nicht.

„Also nicht!“, knurrte ich. „Dann rufe ich eben ein Taxi. Weiber, blöde. Und warum sagst du mir nicht, dass Helen hier ist?“
„Weil du ein Arschloch bist – darum!“, kam es zurück.
Na gut, dann war ich eben eins. Wir waren beide gereizt und urlaubsreif. Die letzen Monate hatten uns mit Aufträgen und Terminen überhäuft, die mich wirklich zu einer Umorganisation meines Büros zwangen. Außerdem hatte sich die Finanzbehörde auf mich eingeschossen. Das Vermögen meines Vaters war von ihm zu niedrig angegeben worden und der Staat hatte sich eine rechnerische Nachforderung von nahezu 10 Millionen Dollar ausgedacht. Zahlbar übermorgen.

Wenn Helen ohne Vorwarnung von Köln hierher kam, dann stank etwas mit unserem Auftrag in Deutschland. „Na ja.“ Ich schloss mein Büro ab. „Wenn eine Fliege stirbt, kommen tausend zur Beerdigung.“ Oder hatte noch ein Erbstück meines Vaters recht? Ein kleiner buddhistischer Mönch namens Cho Li, der sagte: „Ein Scheißhaufen wird nicht dadurch besser, wenn ihn eine Million Fliegen zum Fressen finden. Aber, das ist alles eine Geschmacksfrage.“

Im Lift stieg ein Mann zu, dessen schwarze Uniform ihn als Mitglied des Sicherheitsdienstes auswies, der für das Ocean Building mit seinen 60 Stockwerken zuständig war. Hier arbeiteten fast fünftausend Menschen, die es zu koordinieren, kontrollieren und zu schützen galt. Ich hatte ihn noch nie gesehen.

HEF`S LIEBLINGSMANTEL….

„Sind Sie neu hier? Ich kenne Sie nicht“, fragte mein an sich zuverlässiges Misstrauen. „Ja Sir, ich meine Mr. Perkin. Ich mache mich gerade mit den Örtlichkeiten vertraut, Sir.“
Der Mann gefiel mir. Er hatte Benehmen und drängte sich nicht auf. „Haben Sie auch einen Namen?“
Der Mann deutete auf den Kragenspiegel, auf dem silberne Ziffern prangten. „Nummer 1310, Sir. Wenn Sie mehr über mich wissen wollen, fragen Sie bitte in der Verwaltung nach. Reine Sicherheitsmaßnahmen … Sie verstehen, Sir?“ Damit verließ er den Lift in der zehnten Etage.

Harry’s Bar, Boat Quai, alter Hafen, Singapur

Harry’s war eine Institution, die auf dem Film Casablanca basierte. Nur trafen sich hier kaum Gestrandete, was die Preise nicht zuließen. Hier traf man sich aus der Geschäftswelt der nahe gelegenen Börse und prahlte über Erfolge. Misserfolge gab es nicht. Jeder übertrumpfte jeden mit seinen Tagespekulationen. Und, die Bar hatte einen unbezahlbaren Vorteil: hier durfte noch geraucht werden.

Wie Jean, eigentlich ein Belgier und Inhaber, das bewerkstelligt hatte, verriet er niemandem. Seine füllige Frau Babette führte die Küche und wohl auch Jean, der sich selbst gerne mal der beste Gast war. Beide waren vor etwa zwanzig Jahren hier hergekommen und hatten aus einer Seemannsspelunke ein „In-Lokal“ gemacht, das einfach zum Bild vom alten Singapur gehörte. Und noch jemand war da, auf den ich heute gerne verzichtet hätte. James Cheer.

Buchinfos

TÖCHTER DER TRIADEN  (Band 1) von Hef Buthe

Krimi / Preis: 4,99 Euro (315 E-Book-Seiten), erschienen im 110th (satzweiss.com- chichili) – Verlag – ISBN: 9783845009889

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Autoreninfo & Blog

HEF BUTHE

Hef Buthe wurde 1946 geboren. Von 1968 bis 1975 durchstreifte er die USA, Südamerika und Asien. Als Reporter berichtete er über den Vietnamkrieg, den Bürgerkrieg in Nicaragua und den Jom-Kippur-Krieg. Danach folgten Aufenthalte auf Borneo, in Japan und Sibirien. Während seines anschließenden Studiums der Wirtschaftswissenschaften gründete er mit einem Freund eine Beraterfirma in Hongkong. 2000 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück. Heute wohnt er mit seiner Frau Ulla in Olpe und widmet sich ausschließlich dem Schreiben.

Bilderrahmen, Buthe

Weitere Titel des Autors

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Töchter der Triaden 2 – 4,99 Euro

Der Anwalt Perkin, immer noch in den Fängen zweier verfeindeter Triaden, bekommt einen vermeintlich leichten Auftrag: die Asche eines verstorbenen Mitarbeiters ins Kloster KOYASAN, in den Bergen von OSAKA zu überführen. Doch der Auftrag nimmt gefährliche Dimensionen an. Perkin wird beschattet, von einem Doppelgänger verfolgt, das Kloster ist eingeschneit und wahrlich kein Ort der Besinnung …
Es kommt zu einer Begegnung, die Perkin an seinem Verstand zweifeln lässt. Will ihn jemand in den Wahnsinn treiben?

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